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Wie kam es zu der Idee?

Es folgten mehrere Wochenendtouren durch die Slowakei, Mehrtagestouren durch Tschechien, und die Beiden waren vorerst einmal vom Ostvirus infiziert.

Den Lappen schon fast in den Händen, war ein passendes Mopperl für Cordula auch bald gefunden. Jedenfalls dachte sie das. Ihr Traum war eine BMW F 650 GS. Es wurde im Winter kurzerhand eine aus Oberösterreich geholt und bei der ersten Runde in der Garage war klar: Die ist doch sehr hoch… Bedenken und Frust kamen auf, Anfängerangst; kennt ja jeder, der noch nie zuvor auf einem Motorrad hinterm Lenker saß. Kaum einen Kilometer gefahren, war die Freude verloren gegangen, trotz inzwischen intensiver Reiseplanungen.

Erinnerungen an längstvergangene Jeep-Abenteuer in Albanien aus 1994 und ein U2 Konzert in Sarajevo 1996, zu dem damals mit der 1100er GS angereist wurde, kamen bei Rudi hoch. Das forcierte in ihm den Wunsch, mehr als 10 Jahre später, zu erleben, wie sich diese von Wirrnissen gebeutelten Staaten gewandelt haben. Ein Motorradmagazin lag auf der Toilette, verhieß Traumstrassen in Montenegro und so wurde es kurzerhand 2008 zum Reiseziel auserkoren.

Ergo musste auch ein passenderes Motorrad für Cordula her. Beim Ersatzteileinkauf bei BMW sprang Rudi eine F 650 an, mit kurzem Federbein, Tieferlegungssatz, niedriger Sitzbank und überdies 3 Jahre jünger. Das ist sie, dachte er. Mit der wird Cordula sicher wieder Ihre Freude zurückgewinnen. Gesehen und eingetauscht, den Abenteuern stand nun nichts mehr im Wege.

Im Frühjahr 2008 wurde (bei strömendem Regen und Sturm!) die Führerscheinprüfung abgelegt, das Motorrad mit feinen Teilen von TOURATECH aufgerüstet und fleißig Kilometer gefressen. Eine Tschechienrunde stand wieder auf dem Programm, eine abenteuerliche Fahrt in die Ukraine durch Südostpolen, sowie ein Endurokurs bei Joe Lechner in Ampflwang, Oberösterreich, denn der Prophet im eigenen Haus zählt ja bekanntlich wenig. Doch Rudi nahm es gelassen, er hatte soeben Zeit gewonnen, einmal mit einem Mountainbike mit Motor (BMW G 450 X) ein bisschen in den Wald spielen zu gehen, während Cordula im Schweisse ihres Angesichts die ersten Offroad-Erfahrungen sammelte. Der Instruktor Tom und Cordula wurden dicke Freunde, die Chemie stimmte und gehorsam ließ sie alles mit sich machen und sich willig durch den Schlamm zerren. Nein, nicht was ihr denkt, natürlich alles nur auf platonischer Ebene und ausschließlich auf das Endurofahren bezogen!

Mit derartig angeeignetem Grundwissen über die Fortbewegung auf zwei Rädern on- und offroad, fieberten sie nun der Reise in den jungen und kleinen Balkanstaat entgegen.

Anfang Juli war’s dann soweit, die Bikes wurden auf den Hänger verladen und mit dem Gespann gings nach Triest. Auf einem bewachten LKW Zollplatz wurde ab- und umgeladen, Auto und Hänger stehengelassen und weiter gings auf je zwei Rädern durch Slowenien, Kroatien und Bosnien-Herzegowina nach Montenegro. Zwei Wochen waren geplant, Zelt und Schlafsack waren dabei. Es sollte werden wie in alten Tagen, Abenteuer eben.

Kaum in den Höhen des Durmitorgebirges einquartiert, holte sie morgens der Frost aus dem Zelt. Dichter Nebel und Wetterprognosen wie im Winter ließen sie die Flucht ans Meer antreten. Und gut wars. Am gleichen Tag gabs noch 20 cm Neuschnee in den Bergen. Im Juli wohlgemerkt! Verfolgt von der Wetterfront, waren es dann am Meer auch nicht mehr als läppische 16 Grad, bei häufigem Regen. Trotzdem musste gezeltet werden, schon alleine aus Tradition. Am Campingplatz stellte Rudi fest, dass er sich bei seiner 1150er irgendwo auf der Strecke einen Nylonspagat zwischen Hinterrad und Antrieb in das Hinterachsgetriebe eingefahren hatte. Die Folge: Getriebeöl überall am Heck, der Bremse, am Reifen. Also vorerst sowieso mal Stopp. GS mal GS sein lassen und bei mässigen Temperaturen in die Fluten schmeißen und ausruhen. Tags darauf dann Moped zerlegen und überlegen, wie man zu Ersatzteilen kommt. Eine Odyssee begann. 400 Euro wurden vertelefoniert, da ein neuer Hinterachssimmering aufzutreiben war. Grosse Enttäuschung und Zorn über den nicht vorhandenen Support von BMW-Wien machte sich breit, man musste sich die schauerlichsten Geschichten anhören, warum dieser mickrige Dichtring nicht nach Montenegro geschickt werden kann. Es war einfach unfassbar.

Schließlich wurde dieser durch ein bekanntes, montenegrinisches, in Wien lebendes Ehepaar im Zuge ihrer Urlaubsfahrt in die Heimat mitgebracht. In jedem Fall bedeutete dies eine Woche lang nur ein fahrtaugliches, tiefergelegtes Motorrad und dadurch nur kurze, sachte Tagesausflüge. Der Tag des Aufbruchs rückte näher und an einem der letzten Abende wurde zur Feier nochmals großzügig Fisch verzehrt. Jedoch mit bitteren Folgen: Rudi holte sich die fetteste Fischvergiftung ever. Zwei Tage im Zelt bei brütender Hitze mit fiebersenkenden Tabletten, Wasser und einen Eimer in Griffweite. Zum Sterben war es nicht mehr weit.

Völlig geschwächt wurden die endlos scheinenden hundert Kilometer nach Durres in Albanien angetreten, um dort in die Fähre nach Triest zu sinken und sich für eineinhalb Tage von der Umwelt zu verabschieden.

Aufgrund der Enttäuschungen und Ärgernisse auf dieser Reise festigte sich bei Rudi der Entschluss, dass in  diesem Jahr noch einmal kräftig Gas gegeben werden musste. Er hatte Blut geleckt, und die Zeit der Heimfahrt wurde genutzt, um Pläne zu schmieden. Ordentlich Gas geben heisst, eine anständige Distanz in einer anständigen Zeit zu fahren. Was bot sich da besseres an, als eine Riesenrunde durch Ex-Jugoslawien zu fahren. Und weil’s immer noch zu wenig war, gleich Rumänien, Bulgarien und die Westtürkei samt Nordgriechenland mitzunehmen, liegt ja quasi am Weg. Ausserdem war mit Rumänien noch eine Rechnung offen: Die 1150er hatte Rudi gleich am ersten Tag der Enduromania im Juni des selben Jahres abgeworfen und ihn verletzungsbedingt zur Heimreise gezwungen. Das musste er sich nochmals genauer anschauen. Und weil da noch zwei andere Länder davor liegen, wurden Ungarn und die Slowakei selbstredend auch gleich in die Reiseroute integriert. Im September sollte angeblich stabiles Wetter herrschen, daher gings gleich am Ersten los. Der Fotoapparat war natürlich dabei, und so wurde die Reise vorerst ohne Hintergedanken dokumentiert.

Viel Staub wurde geschluckt, die Stiefel füllten sich mit Schweiß, bei Tagestemperaturen von 45 Grad, in den Nächten wurde im Zelt bei 5 Grad gefroren (der Versuch, mit Unikum entgegenzuwirken, endete mit gehörigen Kopfschmerzen am Tag danach), man machte Bekanntschaft mit Wölfen und Bären und allerlei anderem wildem Getier in den einsamsten Gegenden dieses Erdteiles. So viele Grenzen, Währungen, Sprachen, Mentalitäten; Eindrücke die noch sehr lange anhielten.

So viele Menschen, die es alle gut mit Einem meinten und reichlich schenkten: Früchte, Schnäpse, Selbstgebasteltes oder aber auch ihr Wissen.

Nach etwa 8.000 Kilometern und knapp vier Wochen auf Achse wieder daheim angekommen, wurde das Bildmaterial gesichtet und die Idee geboren, daraus ein Projekt entstehen zu lassen. Cordula, die Daheimgebliebene, wurde zugeschüttet mit Erzählungen und Geschichten von Abenteuern, Ängsten und Freuden, und davon überzeugt, das darauf folgende Jahr mit dabei zu sein und auch ein Teil dieses Projektes zu werden. *TransBalkan* war geboren. Zunächst einmal als Bildband.