Transbalkan-Tagebuch
So tagesaktuell wie möglich – unser Reisetagebuch der *TransBalkan* -Tour 2010. Wir schreiben vom Internetcafé aus, via Handy oder indirekt via Mail an unseren Webmaster. Und wenn’s funktioniert, könnt ihr hier auch unsere aktuelle Route mitverfolgen. Postet eure Kommentare, schreibt uns eure Meinung!
Wir befinden uns im Endspurt! Nur noch 10 Tage, dann geht’s los zur grossen Südosteuropa Rundreise, *TransBalkan*! Hier werdet ihr in regelmässigen Abständen, die letzten News unseres Trips erfahren, einen Stimmungsbericht und die neuesten Fotos bekommen.
Am 18. Juli starten wir in Perchtoldsdorf bei Wien. Es sind alle herzlich eingeladen, uns mit dem Bike ein Stück des Weges zu begleiten. Ihr könnt auch gerne ohne Motorrad kommen! Die Strecke wird zunächst durchs Marchfeld nach Angern/March führen um dort mit der kleinen urigen Fähre die March zu überqueren. Weiter hinein in die kleinen Karpaten auf tollen, kurvigen Asphaltstrassen in Richtung Bratislava. Jeder kann individuell weit mitfahren. Auf dieser ersten Teiletappe werden wir auch einen Kameramann dabeihaben, der die Verabschiedung und die Fahrt filmen wird.
Der Treffpunkt: 18.07.2010,10.00 Uhr, Abfahrt 11.00 Uhr, Alfred-Feierfeil Strasse 3, (Sackgasse), 2380 Perchtoldsdorf (ehemaliges Orac, Trend, Profil Haus), weißes Haus neben dem Ziegelbau (Manstein Verlag); (siehe auch obige google-map)
Bis dahin werden unsere Bikes noch ein letztes Service bekommen, die richtigen Reifen montiert (Continental TKC 80) probebepackt, das Gewicht gecheckt, die endgültige Route finalisiert und ein wenig Kondition getankt!
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Morgen, 16. Juli ist grosser Packtag! Wir werden mal das ganze Equipment, immerhin abgewogene 127,5 kg brutto, von der Wohnung vors Haus schleppen, nochmals alles fein säuberlich auflegen und die Filmkamera positionieren. Dann geht’s ans Verzurren, Verschrauben und Verstauen…
Wir werden sehen, was alles gleich wieder daheim bleiben wird, wegen Platzmangel und weil unnötig. Aus Erfahrung haben wir ohnehin immer zuviel dabei. Wie zwei Packeseln werden unsere Enduros daneben stehen und sich geduldig beladen lassen. Dann werden wir den Hausbesorger holen, der uns hilft, die beladenen Böcke vom Hauptständer zu hieven…
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und die Blunzen scharren schon mit ihren Hufen in der Garage! Wir sind schon etwas nervös und werden sicher kaum schlafen können… Na gute Nacht
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Heute Nacht hatten wir beide nicht sehr fest und gut geschlafen. Zu groß war die Aufregung und viele Dinge schwirrten noch durch den Kopf: Haben wir auch nichts vergessen? Werden wir alles so schaffen, wie wir uns das vorgenommen haben? Stehen die Motorräder morgen noch vor der Tür? Wie wird es Opa in den 6 Wochen gehen, wenn wir nicht da sind? Immerhin sind 98 Jahre schon ein Alter! Wird das mit der Pflege und der Versorgung hinhauen?
Naja, jetzt können wir eh nix mehr ändern, wir sitzen am Frühstückstisch, schlingen die letzten Reste aus dem Kühlschrank unwillig hinunter und schweigen uns an. Der Blick aus dem Fenster verheisst nichts Gutes: Tief hängende, dunkle Wolken treibt der böige Sturm vor sich her. Beim Kahlenberg sieht’s nach Regen aus… Cordi kriegt die Krise, bei diesem Sturm mag sie gar nicht wirklich los. Doch die tobende Menge wird uns Beide in Kürze erwarten…
Cordula macht noch einen Rundgang durch die Wohnung, schliesst alle Fenster, schaltet den Strom ab, während Rudi das restliche Gepäck auf den Mopeds verzurrt. Langsam kommt Stress auf, (wie immer) Zeitmanagement war noch nie unsere Stärke… Um 10.00 Uhr sollen wir am vereinbarten Treffpunkt in Perchtoldsdorf sein, um 11 gehts los. Florian, ein lieber Freund und unser Kameramann für den ersten Tag, taucht auf und wir schliessen hinter uns die Pforte. Wir überlassen den Soldanellenweg für 6 Wochen seinem Schicksal. Dick und behäbig fühlen sie sich an, unsere Maschinen, und auf den ersten Metern schon kommen Gedanken auf, daß wir wieder doch wieder viel zu viel mithaben.
In Perchtoldsdorf bei Wien, keine 20 km weit, werden wir bereits von Niki erwartet. Kaffee und Kuchen stehen bereit. Sabines Schwiegermutter erfreut uns mit einem leckeren Marillenfleck. Wir sind gespannt, wer aller mit den Bikes kommt und uns ein Stück des Weges begleitet. Ein feines verwegenes, kleines Grüppchen an Bikern hat sich bei dem Wetter herausgetraut um uns hier zu verabschieden. Wir freuen uns riesig!
Ein wenig über eine Stunde wird noch gefachsimpelt, gescherzt und fotografiert, und um knapp halb zwölf ziehen wir mit Niki, Hana, Thomas, Reinhard und dem Kamerateam, Florian und Freunde, dem wir an dieser Stelle nochmals herzlich danken, los. Der Regen verschont uns, jedoch der Sturm macht uns zu schaffen. Über Landstrassen mühen wir uns Hainburg entgegen, um dort die Donau das erste Mal zu überqueren. Vorher gibt’s noch grosses Interview an der Tankstelle, Thomas entpuppt sich als Journalist und hält uns gnadenlos die Kamera vors Gesicht…
Eine Stunde später stehen wir am Ufer der March, bei Angern und warten auf die “Fähre”, die uns in die Slowakei bringt.
Satte 9 PS leistet der Aussenborder, der das Ponton über den Fluss treibt. Wir schiffen ein, als plötzlich ein kleiner Vogel vom Himmel fällt und direkt vor Rudis Füssen auf den Boden knallt.
Eine süsse kleine Babyschwalbe haben offensichtlich ihre Kräfte verlassen und die Schwerkraft tat, was sie immer tut. Zum Glück ist Florians Freundin angehende Tierärztin und dank ihrer Streicheleinheiten konnte der Vogel bald wieder in die Freiheit entlassen werden.
Grosse Verabschiedungszeremonie, Florian und Freunde aber auch Reinhard verlassen uns hier und wir streben den kleinen Karpaten entgegen. Es wird immer windiger, die Wolken dünkler und bei Pernek beginnt es sogar zu nieseln. Wir wollen nach Pezinok über eine traumhaft kurvige Strasse das Gebirge übersetzen, als Thomas in einer engen Rechtskurve das Hinterrad weggeht und er stürzt und am nassen Asphalt dahin schlittert. Zum Glück kein Gegenverkehr und auch niemand hinter ihm. Ein paar Blessuren an der Hose, der Jacke und am Motorrad, alles nicht weiter schlimm und wir düsen weiter den Berg hoch.
Leider erreichen wir nach ein paar Kehren ein Fahrverbot. Die geile Strecke wird heute für ein Bergrennen benutzt und ist für den öffentlichen Verkehr gesperrt. Also, wieder retour und an der Westseite der Karpaten nach Bratislava. Dort verabschieden sich dann auch noch Hana und Thomas, denn der Hunger treibt sie Richtung Heimat.Ab jetzt ist es ernst und wir sind nun tatsächlich allein zu Zweit. Da die Zeit schon etwas fortgeschritten ist, kreuzen wir direttissima durch Bratislava und weiter der Donau entlang, unserem netten Zeltplatz an der Donau, unweit von Esztergom, entgegen. Das Wetter ist wieder ganz in Ordnung, die dicken Wolken haben es offensichtlich nicht bis hierher geschafft, so entschliessen wir uns, die erste Nacht im Freien zu verbringen.
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Nicht nur, daß wir fast vollkommen blutleer sind – die Kampfgelsen haben heut nacht Festmahl gehalten – gab’s heut morgen noch eine Überraschung der besonderen Art. Der technische worste case ist eingetreten: Die BMW will einfach nicht mehr anspringen. Denkbar ungünstige Location hier, zumal wir über Wiesen und sandige Trails eine Steilstufe direkt runter ans Donauufer an den Strand gefahren sind. Völlig ratlos und perplex sitzen wir im Sand und starren aufs Wasser. Neuerlicher Versuch, noch dreht sich der Starter aber die Batterie schwächelt langsam. Rudi schraubt die Kerzen raus und überprüft, ob’s einen Funken gibt. Fehlanzeige. Auf beiden Seiten. Das heisst: Zündung tot. Nun, ein grosses Service wurde der GS gewissenhaft vor der Abfahrt genehmigt, darum sind wir noch mehr verwundert über die Macke. Tja, was soll’s, eine Entscheidung und ein Plan B muss her. Nach längerem Beraten fassen wir den Entschluss, die GS hier in Sicherheit zu bringen und mit der XT wieder heimzufahren. Leichter gesagt als getan. Zuerst mussten wir die fette Kuh vom Ufer wieder durch die sandigen Steilstufen nach oben und dann in zivilisierte Gegend bringen. Intuitiv hatten wir schon so eine Art Abschleppseil mitgenommen. Cordi schwitzt Blut, schon bei dem Gedanken daran, die Dicke samt Rudi am Haken aus der Senke nach oben schleppen zu müssen. Wir werfen allen Ballast ab und schieben das Motorrad in die günstigste Position. Zum Glück ist es heute recht kühl, aber trotzdem drückt es uns den (Angst-)Schweiss aus den Poren. Cordi nimmt allen Mut zusammen und schafft das schier unmögliche: Mit fast Vollgas treibt sie die XT die kleine Stufe hoch, eine Sandfontaine entflieht ihrem bestolltem Hinterrad und trifft Rudi mit voller Wucht, aber die Fuhre läuft. Wir holen das Gepäck und machen uns auf die Suche nach einem Unterschlupf für die GS. Am Dorfeingang sehen wir einen Bauern, der in seinem riesigen Garten gerade den Rasen mäht. Wir rufen ihn flehend herbei und erklären ihm mit Händen und Füssen stotternd unser Problem. Er antwortet uns in bestem ungarischem deutsch und öffnet sein Gartentor. Wir sind erleichtert und versichern ihm, das Moped morgen mit dem Hänger zu holen. Jetzt können wir eh nur mehr vertrauen. Seine Frau kommt aus dem Haus und schon halten wir eine Tasse frischen Kaffee und einen Schnaps zur Beruhigung in den Händen.
Wir räumen die XT noch ab und rauschen schlussendlich auf einem Motorrad wieder Wien entgegen. Kurz vor Mittag sind wir wieder zu Hause und können es noch immer nicht fassen.
((((
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Heute morgens wird der Motorradanhänger aktiviert und Rudi macht sich mit dem Gespann auf nach Ungarn, um die GS nach Wien zu holen. Nach gemütlicher, über 2 stündiger Fahrt erwartet ihm Janos, der nette Bauer aus Pilismarot, bereits. Zu zweit wird das Dickschiff auf den Hänger gehievt und zum Abschied gibt’s noch Kaffee zur Stärkung. Alles ist noch dran, sogar zugedeckt hat er’s Mopperl, damit sie nicht friert, die alte Zicke. Froh und erleichtert wird die Heimreise angetreten und das Problemkind der Werkstatt übergeben. Dort ist das Problem gleich erkannt und der sogenannte HAL-Geber als Übeltäter entlarvt. Dieser sitzt an der Stirnseite des Motorblocks an der Kurbelwelle und ist für die Zündung verantwortlich. Normalerweise wird dieses Teil bei 60.000 km vorsorglich getauscht, offensichtlich wurde dies vergessen, oder es ist schon wieder hin… Wir werden sehen. Vorerst ist das Zeug mal bestellt und wir harren der Reparatur.
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29. Juli 2010, Wien – Pecs (396 km)
Die letzten 10 Tage des Wartens und Hoffens wurden langsam zur Qual. Tägliches Telefonieren mit der Werkstatt und ständig die Antwort: Wir haben leider den Fehler noch nicht gefunden….
Frust und Depression machte sich langsam bei uns breit, verbunden mit Zweifeln, ob sich die Reise überhaupt noch ausgeht und in der Form noch Sinn macht. Ersatzrouten und diverse Alternativen wurden durchgedacht.
Schlussendlich erreichte uns die Nachricht, der Fehler sei gefunden und repariert und wir könnten endlich starten.
Heute ist es also soweit, wir packen die BMW aufs Neue. Die Nacht war sehr kurz. Wir feierten gestern noch bei ein paar Bieren den Abschied mit Freunden. Als wir dann gegen 01.30 Uhr heimkehrten ließ sich die Haustüre partout nicht aufsperren. Keiner unserer beider Schlüssel sperrte das Schloss. So standen wir völlig verdutzt und vorerst ratlos vorm Haus und die Müdigkeit übermannte uns allmählich. Der Aufsperrdienst wollte 180,- Euro bar sofort auf die Hand, was wir natürlich nicht einsahen, und diese Option sofort wieder verwarfen. Blieb nurmehr der Versuch, die Hausbesorgerin zu wecken und um Hilfe zu bitten. Wir hatten Glück: Mit dem Postschlüssel konnte Frau Böhm die Türe schliesslich öffnen. Somit Nachtruhe um 02.30, Tagwache um 06.30 Uhr – sehr zäh…

Mit geschwollenen Augen sitzen wir stumm am Frühstückstisch. Wir besteigen etwas ferngesteuert unsere Bikes und besorgen im Vorbeifahren noch schnell eine Speicherkarte. Jetzt werden einfach mal Kilometer gefressen. Auf der Autobahn gehts stupid von Wien raus Richtung Eisenstadt und weiter nach Sopron. Recht starker Reiseverkehr begleitet uns bis zum Balaton und erschwert uns ein wenig das Vorankommen. Ohne nennenswerte Ereignisse gestaltet sich die schier endlose Etappe auf kerzengerader Strasse durch die Puszta. Kaum Erhebungen oder Kurven, der schnelle Tod jeden Reifens. Drum drosseln wir den Speed auf 90 – 100 km/h. Um den Plattensee nimmt das Urlaubergewurl wieder unerträgliche Ausmasse an. Kostet richtig viel Zeit, aber als wir das Gewässer hinter uns gelassen haben, wird es endlich einsamer. Doch mental anstrengend, weil flach, flach, flach. Der Balkan lässt sich schon erahnen: Die Strassen werden schlechter, die Dörfer ungepflegter, Fuhrwerke auf den Strassen und etwas abseits immer wieder einsame Roma-Siedlungen.

Kaposvar taucht auf und mit dieser Kleinstadt auch welliges, ja fast hügeliges Land und lässt uns nach stundenlanger Einöde auf kurviges Geläuf hoffen. Dem ist auch so, wir erklimmen sogar unseren ersten Pass und das in Ungarn!! Über eine gut ausgebaute Asphaltpiste rollen wir nach 7 Stunden in Pecs ein. Eigentlich wollten wir ja heute noch in den Balkan eindringen, sprich die serbische Grenze überschreiten, jedoch packten wir die Gelegenheit beim Schopf, eine der Kulturhauptstädte 2010 näher zu inspizieren. Im Zentrum finden wir ein Hostel, sind dort fast alleine und beziehen ein Vierbettzimmer.

Beim Flanieren durch die Altstadt finden wir zwar kaum Anzeichen oder Hinweise auf den Status, erfreuen uns aber trotzdem an schöner kaiserlicher Architektur und gepflegtem Ambiente. Eine Kleinstadt im Ausmass von St. Pölten gibt sich Mühe, nicht zu provinziell zu wirken, jedoch gelingt dies nur am Rande. Kunst und Kultur im öffentlichen Raum finden wir nicht vor, ebensowenig wie Info Points, die den kulturinteressierten Touristen das Programm für dieses einmalige Ereignis näherbringen könnte. Vielleicht sind wir auch nur zu kurz hier, und zu faul um uns im Internet zu erkundigen. So bleibt vorerst nur ein ähnlicher Eindruck, den auch Linz 2009 hinterlassen hat. Oder wann ist Linz eigentlich Kulturhauptstadt??
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30. Juli 2010, Pecs – Bijeljina (351 km)
Heute verheißt der Himmel nichts gutes, bei unserer Abfahrt tröpfelt es bereits, in den Bergen hinter Pecs hängt das schlechte Wetter. Wir düsen jedoch gegen Südosten dem blauen Himmel entgegen, was uns natürlich sehr erfreut. Jetzt haben wir die Ebene wieder, ziemlich flach und öd geht’s Richtung Donau und serbische Grenze. Selbst nach dem Grenzübertritt, der übrigens problemlos verläuft, ändert sich die Landschaft kaum, es bleibt flach. Wir biegen bei Batina auf den Damm ab, der die Donau begleitet und geniessen hier absolute Einsamkeit, und erfreuen uns an tollen Offroadpassagen. Eine kurze Stipvisite nach Vukovar, Kroatien, bleibt uns verwehrt, die kleine Fähre, die die Donau übersetzt, bleibt nur lokalen Pendlern vorbehalten, es ist kein internationaler Grenzübergang.

So bleiben wir auf serbischer Seite, und halten uns Richtung Backa Palanka. Auf einer recht selektiven, sehr holprigen Offroadpassage, die zeitweise nur im Schritttempo befahrbar ist, klagt Cordula über einen beissenden Geruch und Rauch, vom Motor aus aufsteigend. Wir denken an eine Überhitzung des Motors, und halten an, um der Sache auf den Grund zu gehen. Es stellt sich heraus, daß beim Durchfahren eines großen Schlaglochs, durch das starke Einfedern, die Schwinge das heiße Auspuffrohr gegen den Kunststoffluftfilterkasten hochgedrückt hat. Dieser schmilzt jetzt vor sich hin und verursacht den Gestank und den Rauch. Das eigentliche Problem aber stellt die kunststoffummantelte Leitung für die Federbeinverstellung dar, die jetzt auch am Auspuff anliegt. Rudi spannt sie mit ein paar Kabelbindern weg, Problem vorerst gelöst. Doch das Unwetter verfolgt uns unerbittlich, im Rückspiegel ist es kohlrabenschwarz. Plötzlich kommt Sturm auf, der Himmel wird bleiern, Sand wird uns ins Gesicht gewirbelt, wir treten die Flucht nach vorne an. Bei Backa Palanka geht’s für 7 km über kroatisches Gebiet, danach gleich wieder nach Serbien nach Sid.

Die Karte zeigt uns einen öffentlichen Grenzübergang bei Jamena, im Dreiländereck Kroatien, Republic Srbska und Serbien. Diesen steuern wir an, in der Hoffnung, daß dieser auch existiert. Von Morovic aus geht’s 25 km durch völlig unbewohntes, wildes, waldiges Gebiet, Füchse und Schweine überqueren vor uns die Strasse. Doch an der Ortsausfahrt von Jamena schöpfen wir schon Verdacht, daß das mit dem Grenzübertritt hier wohl nichts werden wird. Eine kleine Schotterstrasse endet schliesslich an einem Kontainer mit serbischer Flagge. Ein verschlafener Zöllner kommt aus dem Häuschen, richtet sich seine Dienstkappe, und erklärt uns, daß hier nur einheimische Pendler passieren können. Enttäuscht kehren wir um, rattern die 25 km zurück, und nehmen den benachbarten, größeren Grenzübergang bei Srem. Raca. Inzwischen ist es empfindlich kühl, Gewitterwolken von allen Seiten, mit dem Zelteln wird es heute wohl wieder nichts werden. Während wir eine Schicht mehr anziehen, donnert von hinten eine Gruppe Biker heran, und begrüßt uns. Die Kroaten erzählen uns, es gäbe heute und morgen ein Bikertreffen in Bijeljina, wir mögen uns doch ein Zimer nehmen im Hotel Drina, das sie uns empfehlen, und ihnen dort Gesellschaft leisten. Das kommt uns etwas entgegen, wir haben keine Lust zum Campen, der Magen ruft nach fester Nahrung. Mal sehen, was uns auf einem bosnischen Bikertreffen erwartet. Kaum an einer Kreuzung nahe dem Zentrum angehalten, werden wir von Einheimischen umringt, die uns alle irgendwie helfen wollen! Sehen wir so hilfsbedürftig aus? Nein, doch Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft ist hier offensichtlich eine Selbstverständlichkeit. Wir sind überwältigt, die Laune hebt sich wieder, wir bekommen sogar eine Motorradpatroullie direkt bis vor’s Hotel. Eigentlich wäre hier Fahrverbot für Motorräder, doch Verbotsschilder werden hier relativ interpretiert. Nach dem Check in und einer erfrischenden Dusche versuchen wir, das Festivalgelände zu finden. Wir tuckern durch die Stadt, folgen einer auf die Strasse aufgemalten Schrift, “Moto”, und finden uns am Rande einer Wohnsiedlung. Von weitem hören wir schon Heavy Metall Klänge. Der Eintritt kostet 5 Sekunden lang 10 Euro, um kurz danach auf den Konsum eines Schnapses reduziert zu werden. Wir nehmen “widerwillig” an, und werden durchgewunken. That’s Balkan, oder “iss so”… (copyright bei Reinhard Metz). Kaum die Helme abgelegt, öffnen sich die Schleusen des Himmels und es schüttet aus Kübeln. Egal, wir stehen im Zelt, gönnen uns ein Bier und die ersten Cevapcici um heiße 2 Euro, und genießen den Moment bei viel zu lauter Rockmusik. Kurz vor Mitternacht haben wir genug, und kehren zum Hotel zurück.
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31. Juli 2010, Bijeljina – Valjevo (206 km)
Das Bier verhalf uns zu einem Schlaf der Gerechten. Wir verlassen Bijeljina Richtung dem Fluss Drina, an dem wir uns entlang hanteln. Der dichte Verkehr erfordert viel Geduld unsererseits. Die Kolonnen bewegen sich mit maximal 60 km/h. Das Überholen ist kaum möglich. Die Landschaft bietet nichts nennenswertes. Die Dörfer sind elendslang und gehen fliessend ineinander über. Nervig!!!! 80 km Transitstrecke sind die Hölle! Bei Drinjaca reichts uns. Wir biegen auf ein kleines Strasserl entlang der Drin ab. Diese Stille und Einsamkeit ist göttlich! In den Bergen hängen die Nebelschwaden, die Luft ist extrem feucht. Es ist grau in grau und es scheint, als würde es jeden Moment zu regnen beginnen.

So kommen wir nach Bratunac und wollen die Gedenkstätte für die Opfer des Genozids rund um Srebrenica 1995 in Potocari besuchen. Das Wetter könnte nicht passender für diesen Anlass sein. Traurigkeit überkommt uns, beim Anblick der über 8.000 Gräber mit ihren weissen Grabsteinen. Jeder einzelne trägt einen Namen. Hinter jedem Namen stand ein Schicksal und ein Leben, das hier auf grausame Weise sein Ende nahm.

Gegenüber der Gedenkstätte steht die ehemalige Akkumulatorenfabrik, in der unzählige Menschen von den Schergen der bosnisch-serbischen Streitkräfte unter Ratko Mladic gefoltert und hingerichtet wurden. Tief bewegt kehren wir zu den Motorrädern zurück und zu allem Überdruss beginnt es nach ein paar zaghaften Tropfen heftig zu regnen. Das verbessert unsere Stimmung nicht wirklich. Bis wir in den Regengewändern sind, sind wir schon pitschnass. Die Weiterfahrt wird zur Rutschpartie. Der Asphalt hier ist spiegelglatt und in Kombination mit dem TKC 80 fast unfahrbar. Schräglage ist nicht! Stärker beschleunigen ebenfalls. Und Bremsen sowieso nicht. So rudern wir über einen Pass und denken einfach nicht drüber nach. Wieder in Serbien, schlängeln wir uns bei strömenden Regen durch wunderschönes, bergiges Gebiet, der Steiermark sehr ähnlich, nach Valjevo.

An einer Kreuzung kurz vor dem Städtchen werden wir angehupt und aus dem Auto winken zwei Männer. Sie verfolgen uns bis zur nächsten Kreuzung, bleiben neben uns stehen, kurbeln das Fenster runter und schreien, begleitet mit einer eindeutigen Handbewegung: “Pivo?” Wir überlegen nicht und nicken zustimmend. Wir fogen den Beiden zur nächsten Bar. Triefend entern wir diese und bekommen abwaschbare Kunststoffsesseln angeboten. Ehe es wir uns versehen, haben wir das zweite Bier geleert und sind in ein “Gespräch” mit Händen und Füssen vertieft. Die Zwei, Vlado und Zlatko, ermuntern uns, doch hier zu bleiben. Nach Belgrad, unser erklärtes Tagesziel wären es noch hundert Kilometer. Sie mussten uns nicht lange überreden. Die letzten Kilometer forderten all unsere Kräfte und jegliche Konzentration. Und wieder werden wir mit ausserordentlicher Hilfsbereitschaft und Gastfreundlichkeit konfrontiert. Vlado übernimmt die Rechnung und geleitet uns direkt vor die nette, kleine Pension ums Eck.

Für den “Wucherpreis” von 25 Euro bekommen wir ein tolles, sauberes Zimmer, sogar mit Frühstück. Raus aus dem glitschnassen Zeug, runter unter die warme Dusche und ein Stündchen entspannen, denn wir werden mit dem Auto abgeholt. Vlado und Zlatko stehen um Acht Uhr vor der Tür und chauffieren uns durch die Stadt. Zunächst durch die Altstadt, dann auf einen nahegelegenen Hügel mit Partisanendenkmal und genialer Aussicht auf Valjevo. Da der Hunger schon ziemlich gross ist, steuern wir Vlados Restaurant an. Wir können es noch immer nicht glauben: Zwei wildfremde Menschen nehmen uns auf, als gehören wir zur Familie! Das Restaurant ist ausgebucht, doch alle rücken ein wenig zusammen und haben doch Platz. Wir werden der Familie und Freunden aus dem Motorradclub Lion`s vorgestellt. Ein lustiger, feuchter Abend ist vorprogrammiert. Im Hintergrund spielen zwei Musikanten serbische Volkslieder, eine Mama singt dazu, es ist herrlich gemütlich! Die Verständigung erfolgt wie gehabt mit Händen und Füssen, ein wenig deutsch, ein wenig englisch, mit einem Wort: alles easy-cheesy (Copyright: Thomas Degenfeld) Endlich wird nun auch das Essen serviert. Eine serbische Spezialität: Eintopf vom Rinderkopf. Ein Traum! Ein Wahnsinn! Unbeschreiblich lecker! Dazu frisches Fladenbrot und Salat. Welch ein Festmahl! Nicht zu vergessen: Pivo in rauen Mengen…. Um Elf übermannt uns die Bettschwere. Wir möchten bezahlen, doch Vlado winkt energisch ab! Wir sind beschämt. Auch das noch! Es ist nicht zu fassen, was uns hier gerade widerfährt. Daß wir auch noch von Vlado im BMW heimchauffiert werden, sei hier noch der Vollständigkeit halber erwähnt. Freunde, that`s Balkan!!!!! Tja, is so…. seid´s im Büld?
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01. August 2010, Valjevo – Ban. Brestovac (156 km)
Nach dem Regendesaster von gestern und der ausgiebigen Feierei, beschliessen wir, es heute lruhiger anzugehen. Um 10.00 Uhr rollen wir aus Valjevo. Auf Nebenstrassen über Ub und Obrenovac gehts nach Belgrad. Die Gegend hier ist absolut zum Auslassen. Dreckige Dörfer, wieder endlos lang, reihen sich aneinander. Wir sehen zu, dass wir da durchkommen. Auf der alten Strasse fahren wir der Sava entlang. Dann, auf einmal viele parkende PKW am Strassenrand. Wir schauen durch die Baumreihe am Ufer und sehen eine Strandbar neben der Anderen. Wir parken uns ein und beschliessen, ein bisschen zu chillen.

Das Wetter ist inzwischen schwül, aber sonnig geworden. Bei einigen Eiscafes und Säften schreiben wir unser Tagebuch nach, stecken die Füsse ins kühle Nass und lassen die Seele baumeln. Irgendwann ist es dann doch so weit, weiterzufahren. Im Sonntagabendverkehr stauen wir uns von Ampel zu Ampel durch Belgrad. Nachdem wir uns nichts sehnlicher wünschen, als endlich mal im Freien zu campen, suchen wir das Weite. Nach Pancevo wird es einsam. Eine einspurige Strasse führt uns direkt an die Donau. Unterhalb des Dammes schlagen wir unsere Zelte und werden augenblicklich von mindestens zwei Milliarden Gelsen verspeist. Es ist ein Albtraum! Selbst ein Feuer und eine halbe Flasche Gelsenspray können diese Blutsauger nicht vertreiben. Das Kochen wird zur Tortur, wir schlagen wie wild um uns, doch es hilft einfach nichts. Sehr schlechte Idee, das mit dem Campen. Zumindest hier an der Donau. Serbische Kampfgelsen sollte man nicht unterschätzen. Somit vertschüssen wir uns recht bald in unser hoffentlich gelsenfreies Zelt…
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