Transbalkan-Tagebuch

So tagesaktuell wie möglich – unser Reisetagebuch der *TransBalkan* -Tour 2010. Wir schreiben vom Internetcafé aus, via Handy oder indirekt via Mail an unseren Webmaster. Und wenn’s funktioniert, könnt ihr hier auch unsere aktuelle Route mitverfolgen. Postet eure Kommentare, schreibt uns eure Meinung!

12. August 2010: souvli – dikela

12. August 2010, Souvli – Pampa nach Dikela (135 km)

Die Kopfschmerzen plagten Cordi die ganze Nacht. Wie gut, daß unsere Reiseapotheke perfekt ausgestattet ist. Hie und da muß halt mal ein Pulverl her. Deswegen kriechen wir erst relativ spät aus den Betten. Wir packen zusammen, und setzen uns in das Internetcafe auf der anderen Strassenseite, um endlich wieder unsere Homepage zu warten. Dies bei Toast und Nescafe Frappe. Gegen 11 Uhr brechen wir endlich auf, es ist wieder brütend heiss. Es geht ein kurzes Stückerl auf der Hauptstrasse zurück, bis zur Abzweigung nach Dadia. Von dort weg erstreckt sich ein riesiger Naturpark in den griechischen Rodopen.

Abzweigend von der Hauptroute gibt es ein unermesslich grosses Wegenetz in alle Himmelsrichtungen. Hier könnte man tagelang offroad unterwegs sein, ohne ein Wegerl doppelt zu fahren. Auf der Hauptroute auf gutem Asphalt spulen wir uns hoch und geniessen die Natur. Und wieder mal absolute Einsamkeit und Stille. Endlich mal Gelegenheit, ein bisschen Kurven wetzen. Das macht großen Spass und tut den, von Autobahn und Bundesstrassen gequälten Offroadreifen gut. Nach 40 Kilometern, ist Schluss mit Asphalt. Schotter ist angesagt. Relativ easy geht es dahin, bis wir am Kamm angelangt sind. Hier tut sich ein riesiger Windpark auf, und wunderschöne Motive, für Film und Fotos – natürlich auf Schotter/Sandstrecken, aber leicht zu fahren, immerhin haben es ja auch Schwertransporter geschafft, all die Windräderteile bis hierher zu karren. Die Zeit verfliegt, wir müssen weiter, immerhin haben wir uns für heute noch eine Offroadpassage vorgenommen, die wir schon aus dem Vorjahr kennen, und die doch anspruchsvoller ist!

Also wetzen wir runter nach Alexandroupoli. Bei einer Quelle, bei der Griechen geduldig unzählige Wasserkanister mit dem langsam fliessenden Wasser auffüllen, machen wir noch kurz einen Stopp. Unsere Trinkbeutel sind so gut wie leer, bei der Hitze sind 3 Liter schnell weg!

Jetzt wissen wir auch, wo ein Teil der vielen Steuergelder der Griechen versickert sind: kilometerweise ist diese Strasse, die aus den Bergen zum Meer hinab führt als fast vierspuriger Highway ausgebaut und begradigt. Für nichts als ein Mininest mit schätzungsweise 50 Einwohnern namens Esimi, tief in den Rodopen, in das vielleicht 10 Autos am Tag fahren. Auf der 15 Km langen Strecke begegnete uns gerade mal 1 Auto und 1 Fuhrwerk…

Kurz nach Alexandroupoli nehmen wir noch eine Zwischenstärkung, in Form eines Cornettos, damit wir die vor uns liegende Strecke nicht mit krachendem Magen in Angriff nehmen müssen, das wäre auch für die Konzentration nicht förderlich.

Die ersten Kilometer direkt am Meer sind noch asphaltiert (die Aussicht ist in dieser frühen Abendstimmung ein Traum!). Dann folgt ein relativ einfaches Sandstrasserl, bis hin zu einem grossen Campingplatz. Aber dann geht es los. Rudi fährt Cordi die ideale Linie vor und es läuft ganz gut. Doch eine ausgewaschene steilere Passage mit losen grösseren Steinen führt Cordi dann an ihre Grenzen. Das Hinterrad rutscht in einer Bergaufpassage in eine Rinne. Mit viel Gas versucht sie das Bike noch aus der Misere zu retten, aber das Motorrad bewegt sich jetzt mit ihr, anstatt sie das Motorrad. Sie biegt scharf links gegen den Abhang und ein größerer Felsen stoppt jäh diesen Ausritt. Cordi und die XT liegen! Cordi ist nichts passiert, ausser einem Schrecken, und Ärger über ihren eigenen unnötigen Fahrfehler. Also mal Helme runter und sehen, ob und was Schaden genommen hat. Zunächst sorgt sich Cordi um die Verkleidung, doch die hat dem spitzen Felsen getrotzt. Aber der Schlauch des Wasserkühlers hat ein Miniloch abgekriegt, und tropft jetzt vor sich hin. Das heisst: Vorerst mal Ende der Reise für heute, denn reparieren ist nicht. Die Kühlflüssigkeit ist brennheiß. Das Schicksal wollte es so, Rudi hatte ohnehin insgeheim davon geträumt, auf dieser Strecke irgendwo zu zelteln. Jetzt ist das unsere einzige Option, und das an einem Platzerl, wie es besser nicht sein kann. Hier fällt ein etwa 600 Meter hoher Berg direkt ins Meer. Nicht allzu steil, denn an seinen Hängen suchen sich Olivenbäume ihren Platz. Dazwischen schlängelt sich in etwa 200 HM dieses kleine grobe Schottersträsschen durch den Hain. Bergauf, bergab, stets mit grandioser Aussicht aufs Ägäische Meer. Der Schwierigkeitsgrad ändert sich von basic zu advanced.

Wir finden einen ebenen Platz und ruck zuck ist das Zelt aufgestellt. Holz sammeln, Steine für das Lagerfeuer und der Benzinkocher wird angeworfen. Heute gibts nämlich Spaghetti Bolognese aus der Packung. Doch wir hätten auch noch Gusto auf ein Bier und einen Bauernsalat. So fährt Rudi die 10 km zurück in den Ort Dikela und besorgt die Lebensmittel. Jetzt sitzen wir am Feuerund tipseln unser Tagebuch, während im Viertelstundenrhythmus die Grillen oder Heuschrecken in Massen über uns herfallen. Cordi flüchtet kurzfristig ins Zelt, doch dann stellt sie sich tapfer ihrer Fobie. That`s Nature. That`s adventure. Morgen ist ein neuer Tag, dann werden wir das arme Moped reparieren. Alles wird gut!! Es iss so, und es is leiwand, punkt.

13. August 2010: dikela – fanari

13. August 2010, Pampa nach Dikela – Fanari (43 km)

Tja, alles wird gut. Sicher, aber vorher ist noch einiges zu durchleben. Diese Nacht zum Beispiel. Wir liegen im eigenen Saft in unserem Zelt bei geschätzen 40 Grad und einer Luftfeuchtigkeit wie in einer Dampfkammer. Nach eineinhalb Stunden des Herumwälzens kriechen wir um 2.00 Uhr benommen aus dem Zelt und versuchen im Freien unser Glück, ein paar Stunden Schlaf zu bekommen. Doch Fehlanzeige. Wir denken zuerst unabhängig von einander, der Schweiss auf unserer Haut erzeuge ein unangenehmes Stechen und Zwicken. Keiner will den Anderen wecken und erträgt dieses Beissen. Fast zeitgleich springen wir dann doch auf und verkriechen uns wieder ins Zelt, denn das Gekrabble um uns herum (Spinnen, Käfer und anderes Getier) fühlt sich nicht sehr einschläfernd an. Eigenartigerweise geht dieses Zwicken und Beissen im Zelt weiter und wir fühlen uns schon etwas paranoid. Bis Cordi die Stirnlampe anmacht. Die Übeltäter sind enttarnt: Klitzekleine Mücken (Kriebelmücke?) schwirren zuhauf in unserem Zelt herum und erzeugen Bisse wie Flöhe. Nicht zu fangen und zu erschlagen die Biester. Wir scheuchen alle bei einer kleinen Öffnung raus, schliessen alle Zipps und safteln weiter in unserer Kombüse. Nicht ein Hauch eines Lüfterl weht. So warten wir ungeduldig das Licht des nächsten Tages ab.

Völlig gerädert ignorieren wir das 7.00 Uhr Weckerläuten. Wir dösen weiter, bis uns die unerträgliche Hitze aus dem Zelt jagt. Schliesslich muss ja auch noch ein Motorrad repariert werden. Cordula kümmert sich um das Frühstück und will so gar nicht munter werden. Rudi macht es sich mit Werkzeug und Hocker vor der XT bequem und starrt sie mal minutenlang an. Dann die zündende Idee: Die Lücke im Schlauch mit dem Flickzeug kleben. Doch es stellt sich heraus, im Reifenpannenset fehlt derartiges. Eh klar. Ist ja auch für die BMW. Und die hat keinen Reifenschlauch, also auch keine Klebepads. Plan B: Kühlschlauch einfach 1 cm kürzen. Zum Glück ist das Loch knapp überhalb des Schlauchbinders, der den Schlauch am Stutzen der Wasserpumpe hält. Gesagt getan. Einiges an Kühlflüssigkeit läuft aus und Rudi fängt sie mit einer Sigg Flasche auf.

Alles wieder ruck zuck verstauen, und schauen, daß wir weiterkommen. Es warten noch 12 km selektive Strecke auf uns und die Hitze wird schon wieder unerträglich. In Bächen rinnt der Schweiss talwärts. Sicherheitshalber, meint Cordula, wirft sie sich noch Effortil Kreislauftropfen ein, sie ist nicht sicher, ob ihr Kreislauf die Belastung schnupft. Schwere Fehlentscheidung. Nach der dritten Kurve, die etwas Aufmerksamkeit erfordert und nicht leicht zu fahren ist, wirft sie fast die Nerven weg, ihr Puls ist “dank” der Medizin bei 200… Viele Pausen, durschnaufen und häufiges Trinken helfen ihr über diese knifflige Etappe. Immer wieder leuchtet jetzt die Kühltemperaturanzeige auf. Was ist da jetzt wieder? Hat etwa die Wasserpumpe etwas abbekommen? Der Lüfter läuft sich wund. Nur schauen, daß wir da durchkommen. Endlich, bei einer antiken Ausgrabungsstätte wird die Strasse einfacher zu fahren und bald sind wir back auf Asphalt. Wir lassen die geschundene XT wieder ein wenig auskühlen. 5 km weiter halten wir an einer Taverne in Platanitis um uns zu stärken. Die Ursache des Überhitzens ist schnell gefunden, die fehlende Kühlflüssigkeit wird nachgefüllt. Und schon läuft sie wieder wie am Schnürchen.

Durch weite Baumwollfelder geht es an einigen Steppenseen bis nach Fanari, das eigentlich unser gestriges Etappenziel gewesen wäre. Der heutige Badetag fällt halt etwas kürzer aus. Auf dem Campingplatz suchen wir schnell ein Plätzchen, räumen rasch die nötigsten Sachen aus und ab an den Strand. Nahe einer chicen Strandbar lassen wir uns nieder. Die chillige Musik tönt bis zu uns in angenehmer Lautstärke und holen ein wenig Schlaf nach. Wir sinnieren über die Preise an der Bar. 1 Schirm und 2 Liegestühle kosten 15 Euro am Tag. Hier stehen etwa 100 Schirme. Die Auslastung ist im Moment fast 100 Prozent. Das ergibt am Tag satte 1.500 Euro Einnahmen. Und das bitte nur für blöde Schirme. Die verdienen hier in 2 Monaten bis zu 90.000 Euro!!! Wir machen irgendetwas falsch…

Kaum zurück am Campingplatz, machen unsere Nachbarn mit ihrem Wohnwagen auf Platzhirsch und starten ihre Soundmaschine mit Vollgas. Nichts wie weg und einen neuen Platz suchen. Wir übersiedeln nun im Dunkeln unser Hab und Gut, dafür haben wir jetzt einen ruhigen Platz. So scheint es zunächst. Kaum liegen wir im Zelt beginnt die übliche Schwitzerei, wir öffnen das Netz ein wenig. Schwerer Fehler. Sofortiger Gelsenalarm! Trotz Ohropax in den Wascheln ist nicht an Schlaf zu denken. Um drei Uhr morgens kommen die Nachbarjungs mit einem festen Rausch lautstark zurück und in der angrenzenden Strandbar gibts heute seit Mitternacht einen griechischen Abend mit dröhnender Livemusik, die erst um vier Uhr verstummt. Der Grant steckt uns schon ziemlich im Hals. Doch alles wird gut, davon sind wir überzeugt.

14. August 2010: fanari – elatia

14. August 2010, Fanari – Elatia, westl. Rodopen bei Paranesti (229 km)

Wie gesagt, aus dem Schlaf wurde nicht mehr viel. Wir sind wie gerädert. Schlaftrunken frühstücken wir und packen unser Zeug zusammen. Die Tante im Campingplatzbüro will uns dann auch noch 2 Zelte verrechnen, bis Rudi ihr eindringlich klarmacht, daß wir nur ein Zelt mithaben.

Wir füllen noch alle Vorräte im Supermarkt auf, denn heute geht es in die wirkliche Wildnis. Wir möchten in die Westlichen Rodopen. Ein riesig grosser Naturpark zur bulgarischen Grenze hin in dem der Nestos seine Schleifen zieht und mehrmals aufgestaut ist. Vorerst wollen wir noch nördlich von Xanthi über einen Abschneider nach Stavroupoli. Doch die Abfahrt von dem Pass ist gesperrt. Die Schotterstrasse wird gerade zu einer breiten Asphaltpiste ausgebaut. Über die Anhöhe marschieren gerade an die 700 Ziegen und suchen, begleitet von einigen bellenden Hunden eine neue Weidefläche. Ein meckerndes Schauspiel! Also nun wieder retour nach Xanthi und über die kurvige, gut ausgebaute Bundesstrasse nach Stavroupoli.

Zum Einfahren gönnen wir uns die kleine Verbindungsstrasse über ein Hochplateau bei Lekani hinüber nach Paranesti. Oben ist es recht erträglich, jedoch unten im Tal drückt die trockene Hitze bei 44 Grad. Wir finden eine schattige Taverne und lassen uns bewirten. Dann geht es auf in die Berge fernab jeglicher Zivilisation. Alle Behälter werden noch mit Wasser befüllt und das übriggebliebene Essen wird als Proviant eingepackt.

Vorerst auf Asphalt, ziehen wir etwa 23 km ein extrem gewundenes Strasserl die Berge hoch. Wir kommen an einer riesigen Staustufe vorbei und können danach für einige Kilometer den Nestos als fjordartiges Gewässer unter uns bewundern. Dann wenden wir uns von ihm nordwärts ab und die Strasse geht in Schotter über. Derweilen noch recht easy cheesy. Doch während wir uns Kilometer für Kilometer aufwärts bewegen, wird das Terrain unterschiedlich knifflig. Rudi bleibt vorne und fährt Cordula die ideale Linie vor. Das läuft auch ganz gut, bis zu einer Rechtskurve, in der Cordula etwas zu weit innen bleibt. Dort ist aber tieferer Sand, und eh sie sichs versieht, rutscht Cordula die XT weg und begibt sich in Zeitlupentempo in die Seitenlage. Oje! Es ist genau gar nichts passiert. Gott sei Dank! Doch Cordula schmeisst kurz mal die Nerven weg, und möchte am liebsten umdrehen. So läuft das aber nicht. Manchmal muss man sich eben a bisserl durchbeissen. Rudi beruhigt sie, er hat Engelsgeduld, und gibt sein Bestes, ihr Sicherheit zu vermitteln. So geht es in reltaiv langsamem Tempo Stück für Stück weiter. Die Passagen, die Cordula doch zu schwer erscheinen, fährt Rudi vorraus, parkt sein Motorrad, und holt die XT. Für ihn auf dem im Vergleich leichten und handlichen Gefährt ein Spass und Kinderspiel.

Scheinbar unendlich viele Bergnasen, Täler und Gräben durchfahren wir. Um uns herum nur Wald und 3 Millionen Bremsen, wir haben schon die schlimmsten Befürchtungen für die Nacht. Und kein Ende der Fahnenstange in Sicht. Die 27 Kilometer bis Elatia scheinen unendlich lang. An der Strassenseite liegt jede Menge geschlägertes Holz. Der Weg ist zum Teil von schwerem Gerät arg zerfurcht. Rechter Hand bergauf immer einen Steinwurf von der bulgarischen Grenze entfernt, links geht es steil bergab in die Wildbachtäler. Die Berge hier sind durchgehend bewaldet, keine Freifläche oder Weiden. Das Terrain wechselt zwischen Schotter,- oder Sandpiste, und ausgewaschenen Rinnen mit losem Gestein.

Irgendwann sehen wir ein, daß Elatia für heute nicht mehr machbar ist. Zum einen naht die Dunkelheit, zum anderen ist Cordi mit ihren Kräften und ihrer Konzentrationsfähigkeit am Limit. Wir beschliessen, ein geeignetes Platzerl zum Zelten zu suchen. Schon nach ein paar Kurven haben wir das gefunden. Hier ist eine lichte Stelle am Strassenrand, ein Zimmer mit 4- Sterneaussicht, quasi. Wir sehen auf etliche Bergzüge hinab, und hören im Tal die Zuflüsse des Nestos rauschen. WOW!!! im Nu ist das Zelt aufgestellt. Während wir uns das Nachtmahl richten, kommt ein Auto vorbei. Wir erkundigen uns kurz, ob das noch der richtige Weg nach Elatia sei (es gibt nämlich tatsächlich und auch laut Navi unendlich viele Abzweigungen und so gut wie keine Besschriftungen, da ist es nicht so leicht, am richtigen Weg zu bleiben!). Die 2 im Auto bestätigen das, wünschen eine gute Nacht, und weg sind sie in der Dunkelheit! Beeindruckt stehen wir noch ein wenig am Abgrund und sehen in die Ferne. Sehr dunkel ist es inzwischen geworden und kein einziges Zivilisationsmerkmal. Nur der Sternenhimmel ist hier besonders hell und glitzernd. Wir tippen noch rasch ein bisschen Tagebuch, und kriechen dann erschöpft von den gewaltigen Eindrücken des Tages ins Zelt! Heute erstmals keine Gelsen, keine Heuschrecken, und kein Schwitzen. Im Gegenteil, heute sind wir erstmals froh über unsere warmen Schlafsäcke, denn hier oben kühlt es nachts empfindlich ab.

15. August 2010: elatia – drosato

15. August 2010, Elatia, westl. Rodopen bei Paranesti – Drosato (257 km)

Es ist 22 Uhr Abend und Cordula hockt allein in Drosato 3 Kilometer vor der Grenze von Griechenland zu Mazedonien nahe dem Dojransee. Folgendes ist passiert: gegen 17.30 Uhr wollten wir die Grenze passieren. Dort mußte Rudi feststellen, daß sein Reisepass, den er vor 2 Tagen in Fanari am Campingplatz beim Einchecken abgegeben hatte, noch immer dort ist!!! Schöne Sch…! Ohne Pass kein passieren einer Grenze! Was tun? Es gab nur eine Möglichkeit, um im ohnhin schon knappen Zeitplan zu bleiben: Rudi muss den Pass holen. Also Hotel suchen. In Drosato werden wir fündig (ist garnicht so einfach an einem Feiertag in Griechenland). Wir haben rasch Rudis BMW von jeglicher Last befreit, und schon ist er wieder abgedüst. 275 km über Landstrassen in der Abenddämmerung durch Nordgriechenland, zwei Tagesetappen zurück nach Fanari. Und dann natürlich in finsterer Nacht die gleiche Strecke nochmals, völlig übermüdet, ins Hotel nach Drosato. Für Rudi sin dies heute an die 900 km Tagesetappe. Schon ein komisches Gefühl für Cordula, ganz alleine zurückzubleiben. Ausserdem hat sie keine Verbindung zu Rudi, da sie ja ihr Handy in Wien vergessen hat! So sitzt sie in einer Taverne an Drosatos “Boulevard” und tippt bei einem Gyros und 2 Mythos einsam das Tagebuch – eigenartiges Gefühl. Hoffentlich kommt Rudi gut zurück! In Drosato herscht Jahrmarktstimmung mit Standeln, Grillerei und lauter Musik. Die gesamte Bevölkerung der Umgebung ist frisch geduscht und aufgebrezelt auf der Hauptstrasse unterwegs.

Doch gehen wir chronologisch vor: morgens ca 7.30 Uhr sind wir nach einer herrlich stillen, einsamen Nacht aus dem Zelt, direkt an der Forststrasse, herausgekrochen. Es folgt das Outdoormorgenritual. Als alles verpackt ist, fehlt plötzlich Cordis Motorradschlüssel (irgendetwas verzögert immer unser zeitiges Aufbrechen und schwups ist es schon wieder ziemlich heiss!). Egal, er muss ja irgendwo sein, wahrscheinlich noch im Zelt, das schon eingepackt undd verzurrt ist. Gott sei Dank haben wir ja Reserveschlüssel mit.

Nach Elatia sind es noch 10 Kilometer, durch den Naturpark, die wir ganz gut meistern. Kurz nach Elatia, geht es wieder bergab und es beginnt eine Art asphaltierte Strasse, doch die Löcher sind hier oft gewaltig und die Strasse zerbröselt hier förmlich. Oft fehlt überhaupt die Hälfte. Dafür werden wir mit einem wunderbaren Ausblick belohnt. Je näher wir der Zivilsation kommen, desto besser wird der Fahrbahnzustand. Cordi ist froh über eine mentale Verschnaufpause.

Im Tal überqueren wir einen Seitenarm des aufgestauten Nestos, und biegen dann rechts ab Richtung Mikromilia. Die nächste Offroadpassage. Und die hat es richtig in sich. bergauf, bergab, richtiger Sand, dazwischen ausgewaschene Rinnen, Felsen und Geröll. Immer wieder übernimmt Rudi die XT und Cordi geht bei 43° C zu Fuss. Der Puls ist bei 180, alles ist anstergend und es ist zum Umfallen heiss!!! Das zollt Tribut! Cordi fühlt sich nach 2 Tagen harten Offroadtrainings wie erschlagen, überfahren und dann ausgekotzt! Dennoch ist landschaftlich auch diese Passage SEHR lohnend! Es wäre uns viel entgangen, hätten wir uns da nicht durchgekämpft. Aber klar ist auch, daß das Mass an Offroad für heute voll ist, Cordi braucht Regeneration, und Entspannung! (obwohl wir auch auf guten Strassen sehr wachsam bleiben müssen: Sand in den Kurven, Schweine, Kühe, Pferde plötzlich auf der Strasse, übermotivierte Autofahrer!)

Als kleiner Tipp sei hier auch angemerkt, dass es sehr empfehlenswert, ist immer genuegend Bargeld dabei zu haben, da die spaerlichen Tankstellen auf Nebenstrecken kaum Karten zur Bezahlung akzeptieren.

Am Kerkinisee legen wir noch einen Fotostopp ein: Kühe stehen mitten im See und verbinden angenehmes mit dem Nützlichen. Sie fressen in aller Ruhe tonnenweise Seegras. Zwischen ihnen schwimmen Möwen, tummeln sich Kormorane und Reiher stehen wie Zinnsoldaten auf morschen Gehölz, das aus dem Wasser ragt. Ein unglaublicher Anblick! Tja und letztendlich stehen wir an der Grenze in Dojran, ohne Rudis Pass…

Um 00.45 kommt Rudi völlig erschöpft, aber heil von seinem Extraausflug zurück. Er gönnt sich noch eine Dose Bier und fällt kurz später in dem viel zu schmalen und zu kurzen Bett, mit nur einem Leintuch als Decke in den Tiefschlaf. Draussen dröhnt noch der Jahrmarkt mit seinem Umtata, doch das hört Rudi nicht mehr.

16. August 2010: drosato – pestani (ohridsee)

16. August 2010, Drosato – Pestani am Ohridsee (284 km)

Nach den Strapazen der Fleissaufgabe des Hin- und Herfahrens gönnt sich Rudi heute eine Extraportion Schlaf. Das Tagebuch will auch gefüttert werden. Am Eck ist ein Internet Cafe und Rudi quält sich mit der extrem langsamen Leitung. Er pfeift schliesslich auf das Bilder hochladen, sonst würden wir noch zwei Stunden hier in diesem Kaff sitzen.

Der mazedonische Grenzer ist völlig aus dem Häuschen, als sich hinter einem der beiden Helme ein Frauengesicht abzeichnet. Er kommt aus dem Schwärmen gar nicht heraus. Heut hat er wieder was daheim zu erzählen! Nun also mazedonischer Boden. Oder F.Y.R.O.M, (Former Yugoslavia Republic Of Macedonia) wie es die bockigen Griechen bezeichnen. Aus einer Befindlichkeit heraus boykottieren sie auch die Bemühungen Mazedoniens, der EU beizutreten. Es stört sie, daß sich die ehemalige Jugo-Teilrepublik so nennt, da ja ein Präfektorat Griechenlands ebenfalls Makedonia heisst. Deshalb “Former Yugoslavia Republic Of Macedonia” oder einfach Skopje.

Wir fallen wieder einige Jahrzehnte zurück in der Zeitrechnung. Alles wirkt ärmlicher, einfacher und notdürftig zusammengehalten. Doch das tut der Stimmung der Menschen hier keinen Abbruch. Die Freundlichkeit und Herzlichkeit ist auf einem auf dieser Reise noch nicht gekannten Niveau! Es scheint, je weniger die Menschen zum Leben haben, desto netter und lebensfroher sind sie.

Wir fahren am Doiran See ein Stück entlang. Hier herrscht buntes Leben. Wir stärken uns, da unser Frühstück heute ausgefallen ist und sind von den Preisen höchst überrascht. Hier kostet alles rund ein Drittel.

Bald haben wir auch schon unsere obligatorische Offroadpassage erreicht. 23 km läuft ein recht einfach zu fahrender Fahrweg parallel zur Bahn und Autobahn. Es ist die einzige Möglichkeit durch dieses Tal (Demir Kapija) zu kommen, wenn man nicht den Highway nehmen möchte. Gegen Schluss der Etappe durchfahren wir eine Schlucht und drehen einige Einstellungen. Dabei entdecken wir junge Burschen, die etwas vorerst nicht erkennbares aus einem Loch im Fels karren. Wir fragen sie, ob wir sie filmen dürfen. Sie bitten uns, ihnen in den Berg zu folgen. Dann wird rasch klar: Es handelt sich um eine Champignon Zucht. Sie befördern schubkarrenweise die alten Kulturen ans Tageslicht um für Neue auf den langen Regalen in dem Tunnel Platz zu schaffen. Die Rollen sind klar verteilt. Einer der Jungs (etwa 15 Jahre alt) ist der Anschaffer und die vier durchwegs älteren fahren die Schubkarren und schleppen sich ab. Dane, der Chef, fährt auch einen Roller. Die anderen teilen sich nur zwei klapprige Fahrräder.

Nach wie vor ist es unerträglich heiss. Beim Fahren ist es angenehmer und kühler, das Visier geschlossen zu halten. Der sengende Fahrtwind trocknet Lippen, und Augen in kürzester Zeit aus und brennt die Haut auf.

Wir tingeln mit maximal 100 km/h übers Land. Inzwischen ist Reifen schonen angesagt. Die 550 nicht einkalkulierten Zusatzkilometer haben Rudis Hinterradreifen schon etwas mitgenommen. Einige 1000 Km liegen noch vor uns.

Über Negotino, Kavadarci, der Weinstrasse Mazedoniens erreichen wir Prilep. Die Stadt erscheint in der Ferne vom Pletvar Pass aus in milchigem Gegenlicht. Eine tolle, ungewohnte Lichtstimmung, erzeugt durch eine hohe, schleierartige, hauchdünne Wolkendecke.

Die Fernstrasse führt an Bitola vorbei. Am Rand wieder die inzwischen gewohnten Roma Siedlungen. Doch hier erscheinen sie uns besonders heftig. Riesige Müllberge am Strassenrand und Wellblechhütten.

Ein weiterer Pass mit wunderschön ausgebauter Strasse liegt vor uns. Doch oben angelangt stehen wir vor einem Fahrverbot mit Umleitung über die alte Strasse hinunter Richtung Resen.

Wir möchten Ohrid nicht über Resen ansteuern, sondern finden auf der Karte eine kleine Bergstrasse die über ein Gebirge vom Prespa- zum Ohridsee führt. Nahe der albanischen Grenze schlängelt sich dieses fast unbefahrene Strasserl diesem riesigen, von Bergen eingegrenzen See entlang. Immer wieder tauchen verlassene Hotelkomplexe an den schönsten Plätzen auf. Hier gabs also mal Tourismus. Und immer wieder eröffnen sich durch den dichten Wald beeindruckende Durchblicke über das Wasser bis hinüber zu den hohen Bergen Albaniens. In zahlreichen Kurven und Kehren erreichen wir die Passhöhe.Weit über der Waldgrenze ist es schon recht kühl geworden, hier auf ca. 1.500 Metern. Doch dann, dieser Ausblick! Die Sonne ist im Begriff, bald unterzugehen. Doch sie schenkt uns noch ein wenig Zeit für ein paar atemberaubende Momente und Bilder. Wir stehen am Abhang hinter der Leitplanke und schauen auf die Weite des tief unter uns gelegenen Ohridsees. Ebenfalls eingefasst in eine Bergkette liegt der älteste See des Balkans mit seiner beachtlichen Tiefe von 284 Metern vor uns und leuchtet im letzten Abendrot.

Rudi packt die Videokamera aus und möchte diese Stimmung einfangen. Langsam aber beständig verschwindet der rote Ball hinter dem albanischen Gebirge und es verspricht eine geniale Einstellung zu werden. Bis Rudi draufkommt, daß er vergessen hat, auf den Startknopf zu drücken. Schrei!!!!! Abfahrt!!!

Zwei deutsche Touristen empfehlen uns, im nahegelegenen Pestani, am Seeufer ein Hotel, Villa Pestani. Dieses steuern wir schnurstracks an, da es bereits dunkel und etwas kühl ist. Wir können es kaum glauben, aber was wir hier beziehen, ist erste Sahne. Ein 4 Sterne Hotel mitten am Hauptplatz. Alles ist sehr sauber, ein perfektes Bad mit WC, etwas , das Cordula immer kritisch beurteilt. Und das kostet uns 30 Euro pro Tag !!! Wir sind absolut begeistert. Bei Livemusik, gar nicht mal so unhörbar, bekommen wir noch im gegenüberliegenden Lokal ein herrliches Abendessen, und dann kriechen wir müde in die Betten!

17. August 2010: Pestani

17. August 2010, Pestani am Ohridsee Hungrig stehen wir auf, und machen uns auf den Weg, um ein Frühstück zu bekommen. In ganz Pestani gibt es nicht ein Cafe, das ein Frühstück anbietet. Aber wir finden eine Backstube mit Gassenverkauf. Die Auswahl ist nicht allzu groß: es gibt Burek, das sind Blätterteigtaschen, gefüllt mit Schafkäse, Fleisch, oder Thunfisch! Dazu empfiehlt uns eine nette Verkäuferin Joghurt zum Trinken! Also probieren wir das mal, und fragen sie nach einem Lokal, in dem wir einen Kaffee bekommen. Man führt uns um die Ecke. Das Fastfoodrestaurant gehört offensichtlich dazu und führt das gleiche Burek. Wir geniessen das ungewöhnliche Frühstück mit Nescafe und beschliessen, heute einen halben Strandtag einzulegen.
Ein schmaler Kiesstreifen entlang der Dorfstrasse bietet Gelegenheit unsere Handtücher neben vielen Familien auszubreiten. Zahlreiche Ruderboote tümpeln vor sich hin und alles hier ist ziemlich einfach und archaisch. Aber gerade dieser Charme fasziniert uns und lässt uns etwas herunterkommen, von all dem Konsum- und Alles-Brauchen-Wahn. Auch Einfachheit kann ein enormer Luxus sein! Am späteren Nachmittag, als die ärgste Hitze am Abklingen ist, brechen wir zu einem Kurzausflug ins nahegelegene Sveti Naum auf. Ganz im Süden, direkt an der albanischen Grenze, schmiegt sich ein Kloster zwischen See und Berg. Auch hier ist der mangelnde Mönchsnachwuchs zu erkennen. Das recht grosse Kloster ist inzwischen zu einem Hotelkomplex umfunktioniert worden, alleine die kleine Kirche im Innenhof trotzt den weltlichen Belangen. Vorher entdecken wir noch einen stillen Ort an einer Waldlichtung.  Hier sprudelt das glasklare Wasser aus mehreren Quellen in ein natürliches Becken. Rudi reizt es, in das 11 Grad kalte Wasser baden zu gehen. Doch mehr als ein kurzes eintauchen ist nicht möglich. Die Kälte schmerzt richtig. Japsend verlässt er fluchtartig das Wasser. Der Grund für dieses heftige Sprudeln des Quellwassers liegt darin, dass der benachbarte Presparsee, der nur durch eine Bergkette vom Ohridsee getrennt ist, sein Wasser durch den Berg hier, völlig rein und klar durch unterirdische Kanäle und Adern herausdrückt. Drei junge deutsche Touristen empfehlen uns, am Rückweg in Trpejca anzuhalten, und dort ans Meer runter zu gehen. Dort gäbe es nette Lokale mit gutem und billigen Essen. Der Ort ist ein wahrer Geheimtip! Still und einsam liegt er in einer Bucht, ist nur zu Fuss vom oben gelegenen Parkplatz aus zu erreichen und der Zugang zum Lokal nur über den schmalen Strand zu finden. Aber der Ausblick und die Stimmung: ein Wahnsinn!! Inzwischen ist es schon empfindlich kühl geworden und da wir nur mit T-Shirt und kurzen Hosen bekleidet sind, wird die Rückfahrt zum Hotel zum bibbernden Ereignis.

18. August 2010: Pestani

18. August 2010, Pestani am Ohridsee

Ein Wahnsinn, wie die Stunden und Tage verrinnen. Jetzt ist es schon wieder 11 Uhr, als wir an der Ufermauer am See sitzen und ein wenig Tagebuch tipseln. Der Wecker läutete um 8, doch wir kommen einfach nicht raus aus den Federn. Egal, es soll ja auch ein kleines bisschen Urlaub dabei sein, bei der durchwegs fordernden aber beeindruckenden Reise.

Wir satteln die XT und machen uns auf die Socken nach Ohrid. Es sind nur ein paar Kilometer am Seeufer entlang nach Norden und die Hotels aller Kategorien werden mehr und grösser, je näher wir uns an die Bezirksstadt herantasten. Hier findet jedermann ein Zimmer, von der Familie bis zum Studenten.

In Ohrid herrscht das pulsierende Leben. Die Innenstadt ist für den Verkehr gesperrt. Wir schwindeln uns am Schranken vorbei und stellen unser Moped zu den zahlreichen anderen an der grosszügigen Uferpromenade.

Zunächst suchen wir ein Internetcafe um das Tagebuch wieder mal zu füttern. Wir sind von der Leitungsgeschwindigkeit beeindruckt, die Bilder flutschen nur so durch. Und das in Mazedonien. In Drosato, Griechenland, hätte uns das Stunden gekostet.

Die Temperatur ist hier am See recht erträglich, drum ist das Herumschlendern in der Altstadt fast ein Vergnügen. Wir stapfen rauf auf die Anhöhe und entdecken eine historische Befestigungsanlage. Davor finden gerade Ausgrabungen statt, es wird eine komplette Klosteranlage freigelegt. Von hier oben ergiebt sich ein traumhafter Ausblick auf die ganze Stadt und den dunkelblauen Ohridsee, bis weit nach Albanien hinein. Eine mächtige mazedonische Fahne weht auf dem tadellos restaurierten Wehrturm und zeigt den ganzen Stolz dieses freundlichen Volkes mitten am Balkan. Wir muessen jedoch den hoeheren Touristenpreis fuer den Eintritt bezahlen. Alle sind gleich, die Einheimischen gleicher…

Während Cordi in einem Strassencafe rastet und nette Kontakte knüpft, schlendert Rudi durch die Gassen und auf den Markt, auf der Suche nach typischen Motiven. Auf der Fussgängerzone wird der übliche Plunder und Kitsch feilgeboten, und auf die Toplabels herrscht ein besonderer run. Die Puma- und Adidas Outlet Shops sind gesteckt voll. Die vor jeder Bar aufgestellten Coca-Cola Riesenschirme tauchen das Pflaster in schummriges Rot. Diese Marke hat sich hier foermlich eingebrannt in die Balkanseele.

Interessant wird es erst im muslimischen Viertel, wo ein altes Lederwarengeschäft neben dem Barbier und ein Tomos-Mopedmechaniker neben dem Kebapstand ihre Pforten weit offen haben.

Am Obst- und Gemüsemarkt wird fest gefeilscht und inzwischen schon die Tageseinnahmen gezählt und hie und da wird man in österreichischem Dialekt angesprochen.

Die Sonne ist bereits untergegangen, Cordi ist noch immer in ein Gespräch mit Klaus und Angelina in dem Strassencafe am Boulevard vertieft. Sie hat mazedonische Wurzeln, er ist Deutscher aus Köln und beide verbringen jährlich ihren Urlaub hier bei ihrer Verwandtschaft. Wir bekommen noch ein paar hilfreiche Tipps für künftige Reisen, dann machen wir uns auf den Weg zu einem netten Lokal in den Tiefen der Altstadt, das wir schon nachmittags ausgecheckt haben. Eine Schiefertafel verheisst “Lamm im Ofentopf”. Das muss her! Und kein Fehler wars! Eine Flasche mazedonischen Rotwein dazu und die Welt ist heil.

19. August 2010: Pestani – Berat

19. August 2010, Pestani am Ohridsee – Berat (225 km)

Schweren Herzens packen wir unsere sieben Sachen. Wir haben diese Gegend hier längst in unser Herz geschlossen. Wenn wir noch ein paar Tage länger blieben, könnten wir uns überhaupt nicht mehr loslösen. Doch Albanien ruft. Das inhaltliche Ziel unserer Reise ist in greifbare Nähe gerückt. Heute werden wir Adelheid in Berat treffen. Sie ist Redakteurin einer österreichischen Tageszeitung und hat eine wunderbare Geschichte recherchiert. Rudi wird versuchen, die Fotos dazu zu machen. Doch bis nach Berat liegt noch einiges vor uns. Zunächst mal die Grenze, die recht rasch überwunden ist. In 10 Minuten sind wir durch. Nur der Albaner trägt unsere beiden Bikes in ein schlaues Buch ein, schon werden wir durchgewunken. Nicht einmal die bislang obligatorische Strassenmaut wird mehr eingehoben.

Immer wieder ist der Grenzübertritt nach Albanien ein Eingang in eine andere Welt. Dieses Land ist schon noch eine andere Dimension. Bisher war alles nur ein wenig einfach und unprätentiös, doch jetzt katapultiert es uns in eine völlig skurrile Welt. Hier trifft die Moderne wie ein Fausthieb auf die Zeit vor 30, 40 Jahren. Hier ist Mercedes-Land. Hirnschmalz ist nicht so wichtig wie der Stern auf der Kühlerhaube. Hier werden tonnenweise Oliven angebaut, die keiner braucht. Hier wird Trinkwasser von arbeitslosen Burschen am Strassenrand zum Autowaschen sinnlos vergeudet, das anderswo auf den Äckern fehlt. Hier wird zwar stellenweise der Seestrand von Müll und Schlamm befreit, doch der Dreck einfach mit Schubkarren nur über die Strasse in das Rinnsal gekippt, wo er vor sich hin fault und erbärmlich stinkt. Hier werden Berge von Plastikmüll gleich neben der Strasse angezündet und der pestialische Gestank verteilt sich über weite Teile eines an sich wunderschönen Landes. Hier parkt ein völlig schäbiger,verrosteter Golf I von 1977 neben einem Audi Q7. Hier folgt auf eine highwayartig ausgebaute Fernstrasse eine schmale staubige, wellige Schlaglochpiste, in deren Löchern man ganze Schafe versenken könnte.

Hier fehlen im Ortsgebiet sogar komplette Kanaldeckel und wir erkennen sie zum Glück noch im allerletzten Moment und verreissen unsere Lenker, damit wir das Vorderrad noch etwas länger behalten. Hier stehen Glas- und Spiegelpaläste neben abbruchreifen, zerbröselnden Plattenbauten. Verfallene Industrieruinen wechseln sich mit Shoppingzentren ab. Auf sogenannten Autobahnen plötzlich ein Kreisverkehr. Ein riesiges Vorranggeben-Schild bedeutet hier Vorrang haben! Und dann ein Eselkarren, der von einem Schotterlaster überholt wird, der von einem Bus überholt wird, der von einem Mafiamercedes überholt wird. Und mitten drin in diesem stickigen, stinkenden und chaotischen Wahnsinn eine Erste- oder Raiffeisenbank. Albanien, wir lieben dich!

Und dann Berat. UNESCO Weltkulturerbe. Die Vorstadt der gleiche Dreckshaufen, wie jede andere Kleinstadt hier, aber der alte Stadtteil mit seinen liebevoll restaurierten Häuschen: Eine Augenweide. Wie kleine weisse Zündholzschachteln mit dunklen Holzfenstern und roten Ziegeldächern schmiegen sie sich an die Steihänge. Verbunden nur durch mit weissem Granit gepflasterten, steilen Gasserln. Selbst der omnipräsente Gestank nach verbranntem Kunststoff in der Luft kann diesem Anblick keinen Abbruch leisten.

Wir checken in das wahrscheinlich geilste Hotel auf dieser Reise ein: Hotel Mangalemi! Ein Traum von einer Unterkunft. In unseren Breiten würde man mindestens 150 Euro pro Person lockermachen müssen, um so residieren zu dürfen. Hier bezahlen wir incl. Frühstück 25 Euro! Ein aufwändig und liebevoll restauriertes, hunderte Jahre altes Herrenhaus wurde im Familienbetrieb zu einer Topherberge umgebaut.

 Wir sind aus dem Häuschen! Echtholz Kassettendecke, Schiffboden, Doppelflügeltüren, Whirlpoolbadewanne, klimatisiert, ein Haus zum Verlieben! Und dann erst die Küche! Wir dürfen uns dieses vom Kellner extra empfohlene Lamm auch heute nicht entgehen lassen! Zwar nicht im Topf geschmort, dafür im Pot mit einer feinen, aufgeschlagenen Joghurt-Ei-Zwiebel Sauce überbacken. Dazu Salat und ein spezielles, albanisches Käseletscho mit selbstgebackenen Weissbrot, da können wir nur jauchzen.

Als Abschluss noch ein Raki, Herz was willst du mehr.Vorher haben wir uns das fürstliche Speisen jedoch redlich verdient. Wir stiegen zur Festung und der alten Stadt von Berat ein steiles, glattes Steinstrasserl hoch, genossen die weite Aussicht auf die vielen Brand- und Gestankherde der Ebene zur einen Seite und den majestätischen Anblick des Berges Tomor, mit seinen fast 2.500 Metern auf der anderen. Wir sehen den Dorfältesten beim Dominospielen auf ihren winzigen, abgewetzten Tischerln zu. Wir schauen ins Stadtmuseum. Und wir schlendern durch die extra verwinkelten Gasserln mit üppigem Blumenschmuck.

Morgen werden wir aufbrechen, um mit den Bektashi ein tolles Fest am Berg zu feiern. Drum geht es jetzt rasch ins tolle Gemach um eine Mütze Schlaf zu kriegen.

20. August 2010: Berg Tomor

20. August 2010, Berat – Polican, Berg Tomor (52 km)

Auf den heutigen Tag haben wir eigentlich schon die ganze Reise lang hingefiebert. Unsere Informationen über dieses Ereignis sind bislang spärlich, nichts desto Trotz klingen sie sehr spannend. Die religiöse Gruppe der Bektashi, eine muslimische Sekte, ehrt jedes Jahr im August ihren wichtigsten Imam auf dem 2. höchsten Berg Albaniens. Er soll dort oben vor hunderten Jahren begraben worden sein. Oder auch nur einer seiner Knochen, keiner weiss das so genau, oder will es genau wissen. Zu diesem Zwecke pilgern zehntausende Menschen auf den rund 2.500 m hohen Berg Tomor, südlich von Berat. Sie treiben ebensoviele Schafe mit hinauf um sie dort oben zu opfern und zu verspeisen. Nachdem Bektashis es mit den Koran nicht so ernst nehmen, hört sich die ganze Story vorerst nach einem riesigen Barbecue, vielleicht dem höchsten der Welt, an, da auch Alkohol, dem Vernehmen nach, in rauen Mengen fliessen soll.

Wir sitzen also beim Frühstück, Adelheid ist auch schon wach, und warten auf Norbert und Phil, zwei weitere befreundete Journalisten. Mit ihnen werden wir den Pilgertross begleiten. Eigentlich sollte ja schon längst das Interview mit dem Dede Baba, dem obersten Bektashi Hoschi im Kasten sein, doch Fehlanzeige. Der neunzigjährige Weissbart schwirrt irgendwo in Berat herum, keiner weiss genau wo. Wir werden weiter vertröstet. Phil und Norbert tauchen nun im Hotel auf, und teilen uns mit, sie haetten erfahren, auf dem Berg sei heute absolut nichts los. Erst morgen würden die ersten Pilger eintrudeln und so richtig die Post abgehen. Ausserdem wäre auch der Baba erst morgen da oben. So sitzen wir auf der gemütlichen, kühlen Dachterrasse und geben uns einen Bektashi Crashkurs und Recherchearbeit.

Gegen 14.30 beschliesst nun Rudi die Lage mal selbst auf dem Berg auszuchecken und spielt den Scout. Er räumt kurzerhand die XT völlig ab, denn nichts Gutes hat man bisher von den Fahrbedingungen auf den Berg gehört. Es gebe zwar eine Art Strasse, die sei aber in einem miserablen Zustand. Naja, nichts anderes sind wir gewohnt, von albanischen Strassen. Der Wassersack wird aufgefüllt und los gehts von Berat aus nach Polican. 20 km extrem rutschiger Asphalt und jede Menge Kurven, das macht keinen Spass. Hier kommt kein Fahrrhythmus zustande.

Ein Herumgerutsche ist das. Nicht zu stark beschleunigen und nicht zu stark bremsen. Und aufrecht um die Ecken. Und immer in den Kurven diese blöden Mercedessterne direkt vorm Gesicht. Die Strecke mag kein Ende nehmen, doch nach Polican gehts noch 5 km weiter ins Tal hinein. Auf einem grösseren Platz, nach einer Biegung, plötzlich Polizei und jede Menge 4×4 Kübeln, mit den davorstehenden Fahrern. Eine rostige Tafel weist den Weg: “Teqe 20 km”. Links ab auf  SCHOTTER STEIL BERGAUF!!! Hier jagst du nicht mal deinen ärgsten Feind zu Fuss rauf. Doch die Lage muss gecheckt werden, Rudi muss Bericht abliefern, also Rudi muss da rauf. Zum Glück mit der XT! Mit der dicken GS wäre das zur Harakiriaktion mutiert. Der Fahrweg ist eher eine staubige Geröllhalde, spitzes loses Gestein, blanker Fels, feiner Sand und immer fest bergwärts. Rechts der Abgrund und links der Fels. Aber natürlich wollen da ja auch andere rauf. Nämlich die Pilger, die aber nicht zu Fuss pilgern, sondern sich mit den Allradkisten hochchauffieren lassen. Und die Fahrer der Miettaxis wollen Kohle scheffeln und geben so richtig Gas. Es staubt, dass die Strasse kaum zu sehen ist. Ausserdem ignorieren sie jeglichen Gegenverkehr und die Auffahrt wird zur Angstpartie. Nach zirka 40 Minuten Staubschlucken kommt ein riesiger Sattel in diesem mächtigen Bergmassiv.

Erste Rauchschwaden sind erkennbar und jede Menge zeltartige Behausungen. Einige Schafe drehen sich schon an den Spiessen und erfüllen die Luft mit süsslichem Duft. Hier befindet sich auch die Teqe, eine Art Herberge mit Betten, in der wir eigentlich ab heute Schon ein Zimmer beziehen sollten. Die Leute hier sind überaus gut gelaunt und Rudi wird sofort zu Schaf mit Bier eingeladen. Doch das Vergnügen muss noch warten. Denn das hier ist nur Basecamp. Das eigentliche Heiligtum befindet sich 400 HM weiter oben auf dem Gipfel. Was bis jetzt eine Tortur war wird jetzt zur Hölle! Ein Testgelände für jede Hardenduro folgt auf den nächsten 7 km. Der Karrenweg schraubt sich in viel zu engen gerölligen Kehren den Bergrücken hoch, einige waghalsige Albaner versuchen es mit alten PKWs, die kläglich verrecken. Selbst für Nissan Patrol und Co. wird die Strecke zum Prüfstein.

Doch die Jockeys hinter den Lenkrädern geben den Kisten die Sporen, bis der Qualm aufsteigt. Die XT wirkt trotz alledem nicht überfordert, eher der Fahrer kommt langsam ins Schwitzen. Behutsam will mit Gas und Kupplung umgegangen werden, um das Bike in irgendeiner Spur zu halten und auf dem losen Geröll nicht weg zu rutschen. Ein Mann mit seinem Maulesel winkt schon von weitem und Rudi hält an. Er kann nur mehr deuten, kein Wort kommt aus seinem Mund, zu trocken ist seine Kehle. Der weisse Schaum um die Mundwinkel und der trübe Blick verraten: Der ist dehydriert. Er trinkt fast in einem Zug Rudis Trinkbeutel aus und möchte sich vor Glück niederknien. Der Arme hat noch einiges vor sich…

Auf dem kleinen Gipfelplateau, herrscht reges Treiben. Jeeps kommen an und fahren weg. Bringen neue Pilger zur Grabstätte. Davor in wirr zusammengezimmerten Standeln Verkäufer sämtlichen Plunders, Getränken und Snacks. Pferche voll mit Schafen und Lämmern, die auf ihre Schlachtung warten. Daneben ein meterlanger Galgen auf dem sie aufgehängt und gehäutet werden. Im Akkord. Die Innereien werden gleich den Abhang hinunter geworfen und den Geiern überlassen. Überall Blut. Auf den Treppen hinauf zum Schrein, an der Schreinmauer, ringsum am Boden und an der Stirn und den Händen mancher Pilger. Kerzen werden angezündet und in eine Glasverschlag gestellt.

Im engen Schrein herrscht stilles Gedränge. Kleine Fenster geben nur wenig Licht und beleuchten die Kiste in der Knochen oder sonst was vom grossen Ali sein sollen. Die Abblider der 12 Imame hängen an der Wand und werden abgeküsst. Berge von Geldscheinen liegen herum. Ein mystischer Ort.

So, alles ausgecheckt, vorerst mal weg hier, es ist ein wenig gruselig die Stimmung hier. Die ganze Horrorpiste muss ja auch noch in der Gegenrichtung abgespult werden. Jedenfalls, keine Derwische, kein Dede Baba und keine 10.000e Leute. Mal sehen, was sich morgen hier abspielt. Da wollen wir alle miteinander nochmals hier herauf, denn uns wurde gesagt, da ginge es erst richtig los. In Albanien ticken die Uhren wahrhaft anders und es heisst weiter warten auf den grossen Baba und das “Babacue” im Gebirge.

21. August 2010: Berg Tomor

21. August 2010, Berat – Polican, Berg Tomor

Heute ist zeitiges Aufstehen angesagt, uns steht eine Monstertour bevor. Dieses Land hält täglich Überraschungen bereit. Wir wissen zwar, wo der Linienbus nach Polican, dem Talort, losfährt, aber nicht die Fahrzeit. Auch haben wir zu diesem Zeitpunkt noch keine Ahnung, wie wir überhaupt auf diesen Berg hinauf kommen. So lassen wir uns vorerst einmal treiben. Für Rudi stellen sich all diese Fragen nicht, er und Cordis XT spielen Packesel und bringen Zelt und Co. auf den Berg. Pünktlich um 8.15 Uhr startet der klapprige Bus und bringt Cordula, Adelheid, Norbert und Phil über die sieben Berge nach Polican. Die Fahrt ist ein ziemliches Geschleiche auf gewundener Strasse mit teils schlechtem Asphalt und nach 2 Stationen ist der Bus mehr als voll. Selbst die Stehplätze sind ausgebucht. An der Ausstiegsstelle wartet bereits Rudi auf uns, der inzwischen mit den Jeeptaxifahrern einen Spezialpreis aushandeln möchte. Norbert jedoch tut sich da wesentlich leichter, denn er spricht fliessend italienisch, was viele Albaner hier aufgrund ihres Auslandaufenthaltes gut verstehen. Nach einigem hin und her schlägt der Chauffeur bei einem Tarif von 100 Euro tour-retour ein. Normalerweise gilt dieser Preis für eine Berg- und Talfahrt am gleichen Tag mit 4 stündigem Aufenthalt. Wir jedoch werden oben nächtigen und haben vereinbart, dass er uns morgen um 15 Uhr wieder abholt.

Das Gepäck wird verladen und wir treten ein in die zweite Phase unseres Abenteuers: den Höllenritt über die 20 km lange Schotter-Schlaglochpiste. Gestern noch relativ einsam, heute ist die Hölle los auf dieser einspurigen Zufahrt mit wenigen Ausweichmöglichkeiten. Die Albaner reisen mit allem an, was 4 Räder hat, in jedem nur erdenklichen Zustand. Vom neuesten Range Rover bis zum 30 Jahre alten Dieselmercedes, hier wird alles auf den Berg geqüält, bis die Motoren rauchen. Dementsprechend hoch ist die Ausfallsquote, und hängengebliebene Fahrzeuge mit ihren brodelnden Kühlern blockieren immer wieder die Piste, und machen das Weiterkommen für die nächsten 20 Minuten unmöglich. Ein Gehupe, ein Geschimpfe und Geschrei tönt durch die ansonsten stille Landschaft. Zentimeterweise hanteln sich die Fahrer mit ihren Kisten mit kaum Abstand aneinander vorbei, auf der einen Seite der Berg, auf der anderen Seite der Abgrund. Mütter mit ihren Kleinkindern stehen verzweifelt am Strassenrand in der Gluthitze, während die Männer mit Wasserflaschen die heissen Maschinen besänftigen. Zwischendurch tauchen immer wieder Polizisten aus dem Nichts auf und lösen mit forschem Gepfeife und Gewachle die gordischen Knoten auf. Adelheid und Cordula schwitzen Blut, wohingegen Norbert und Phil recht entspannt wirken. Völlig durchgeklopft erreichen wir nach eineinhalb Stunden die Teqe (das Gebets,- und Kommunikationszentrum der Bektashi auf dem Sattel, 400 m unterhalb des Gipfels). Wir versuchen, uns in dem weiten Areal zu orientieren, und suchen eine Ansprechperson.

Diese findet sich rasch in Ilian, einem jungen albanischen Mann, der in der Türkei Theologie studiert. Rudi ist inzwischen zu uns gestossen, und gemeinsam beziehen wir eines, der vom Militär bereitgestellten Zelte. Als Unterlage dienen zerbröselte Styroporplatten. Für Rudi und Cordula ist sofort klar: Gott sei Dank haben wir unser eigenes Zelt mit, dieser Tortur wollen wir uns nicht aussetzen, denn wie Sardinen auf diesem Bröselteppich – nein danke. Sofort sind helfende Hände zur Seite: wir haben Feuerwehrleute als Nachbarn, die uns auch noch gleich zum Rakitrinken einladen. Wir lehnen dankend ab, schliesslich muss ja noch gearbeitet werden.

Wir eilen zum Interview, mit Dede Baba, den Rudi plötzlich gesichtet hat. Endlich haben wir die zentrale Figur dieser Geschichte vor dem Mikrofon und vor der Linse! Das Warten hat sich gelohnt, mit seinem Wesen beeindruckt dieser fast 80 jährige gutmütige Weise alle 4. Plötzlich sind wir im inner circle. Baba Mondi, das Oberhaupt der mazedonischen Bektashi, bittet zum gemeinsamen Mittagessen und einer Audienz. Anschliessend werfen wir uns in das Getümmel am Berg, das schier unbeschreiblich ist. Tausende Menschen wuseln durch die Gegend, Musik aus allen Ecken, Schaf in jedem Aggregatzustand, Megavolksfeststimmung mit den primitvsten Mitteln.

Was tags zuvor nur andeutungsweise als Zeremonie erkennbar war, eskaliert heute zur Schlacht,- und Grillorgie. Der pure Wahnsinn am Berg und wir mitten drin. Die größte Herausforderung des Tages ist es, am Abend schaffreies Essen zu finden. Es gelingt uns nach längerer Wanderschaft im Dunkeln über das Gelände ein Standl zu finden, das Souvlaki am Griller hat. Angegessen, mit einem Verdaungsraki intus, kehren wir zum Zeltplatz zurück. Dieses Mal tappen wir jedoch in die Feuerwerker-Rakifalle. Eine Stunde später und ca. einen Liter voller torkeln wir ins Zelt und hoffen auf ein wenig Schlaf, denn morgen wartet die Gipfelbesteigung auf uns. Ilian möchte um 4.30 Uhr vor Sonnenaufgang aufbrechen, um vor der großen Tageshitze bereits wieder zurück zu sein.