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Soweit das Reisetagebuch aus dem Jahr 2009. Zurück im hiesigen Alltag, mussten erst die vielen Reize und Eindrücke, die Cordula und Rudi gewonnen hatten, mental verarbeitet werden, bevor an jegliche Arbeit gedacht werden konnte. Zwar ging der Job wieder los, doch die Beiden tagträumten noch lange vor sich hin. Das ganze Reisezeugs lag noch Tage in der Wohnung herum, gerade einmal die Schmutzwäsche wurde aus olfaktorischen Gründen einer chemischen Reinigung unterzogen…

Der Herbst wurde genutzt, um das neu entstandene Bild- und Filmmaterial zu sichten, editieren und vorerst entsprechend zu archivieren. Rudi besprach sich mit einem Freund, Florian, bezüglich des Filmschnitts und die Arbeit an einem Filmtrailer begann. Fast ein Terrabyte HD-Material musste importiert, konvertiert und durchgesehen und nebenbei auch die definitive Fotoauswahl bearbeitet werden. Niki Krutak von Dirtbike lud im Winter zu einem Krampuskränzchen und bot Rudi die Gelegenheit, eine Diashow über den bisherigen Verlauf des Projektes TransBalkan zu präsentieren. Mit tollen Einladungsflyern wurde der Abend angekündigt. Es sollte der letzte Programmpunkt an diesem Abend werden. Wochen vergingen und bis zum letzten Tag feilte Rudi an Bildauswahl, Musik und Effekten, als er dann endlich, zufrieden mit dem Produkt, dem Mac den Befehl zum Rendern gab. Vorläufige Renderzeit 28 Stunden… Sollte sich bis zum Abend der Präsentation ausgehen. Sollte. Wenn dir nicht dein Freund, der Computer einen Strich durch die Rechnung macht. Am späten Vormittag jedoch meldete der Rechner einen Absturz und das bisherige Rendern war für die Katz. Die Geschichte mit der Diashow war also gelaufen, ein nochmaliger Durchlauf ging sich zeitmässig nicht mehr aus. Shit happens…

Shit happend auch an einem langen wunderschönen Oktoberwochenende: ein letztes Mal für diese Saison, sollten die Bikes ausgeführt werden, mit Ziel Slowenien (Fotos –>).

Der Samstag, Tag der Abfahrt, hielt eine unschöne Überraschung bereit: Früh am Morgen gingen Rudi und Cordula mit den Motorradkoffern bepackt aus dem Haus und auf der Strasse stand nur mehr ein Motorrad, nämlich die rote 1100er GS. Cordulas F 650 GS war weg! Einfach weg, nicht mehr da! Minutenlanges Schauen, doch sie war weg. So wurde es, mit ein bißchen Verspätung, bedingt durch Diebstahlanzeige bei der Polizei, ein Kurztrip, einfach wie in alten Zeiten, auf nur einem Bike. Der Schock mußte erst einmal verarbeitet werden, denn Cordulas Herz hing doch an der eisblauen Zicke! Immerhin war sie Cordis erstes Motorrad gewesen. Außerdem hatten die Beiden viel Zeit und Herzblut ins Verfeinern der 650er investiert, damit sie den Reiseanforderungen entsprach. Rudis Trauer über den Verlust hielt sich in bescheidenen Grenzen. Glück im Unglück: es gab eine Versicherung! Diese zahlte nach wenigen Wochen den Schaden aus, und Cordula konnte sich nach einer Alternative umsehen. Die Entscheidung fiel jetzt, auch zur grossen Freude Rudis, auf eine Yamaha XT 660 R, was zur Folge hatte, dass ein neues Motorrad aufgebaut, Teile organisiert und schlussendlich im folgenden Jahr auch viele Fahr-Einstellungen für den Balkanfilm neu gedreht werden müssen.

Inzwischen waren 50 Stunden in den Schnitt des Trailers geflossen und das fertige Produkt konnte sich sehen lassen. Florian hatte wirklich gute Arbeit geleistet und hörte sich geduldig Rudis Wünsche und Vorstellungen an. Der Jahreswechsel war nun vorüber und es musste nun auch schon laut über die Fortsetzung des Projektes nachgedacht werden. Langsam entstand wieder die obligatorische Liste, die es systematisch abzuarbeiten galt. Die Videokamera musste nach einem Sturz in Bulgarien repariert werden, die Dicke GS musste durchgesehen werden, neue Reifen wurden bestellt, die Gültigkeit von Reisepass und Führerschein lief ab und musste erneuert, Urlaubskrankenscheine besorgt und einfach viele Kleinigkeiten erledigt werden.

Endlich, im Mai, waren dann alle Teile für die XT im Hause und mit Hilfe von Niki Krutak konnte eine nette, kleine, saubere Werkstatt im Raum Wien gefunden werden (Artner’s Bike- & Reifenbox, Alter Wiener Weg 19, 2344 Maria Enzersdorf, sehr empfehlenswert!), in der mit grossem Engagement und Mitarbeit von Reinhard ein rassiges Reisemotorrad gebaut wurde. Reinhard ist Techniker im Wiener AKH und arbeitet nebenberuflich als Aushilfe bei den Artners und nahm sich das gesamte Pfingstwochenende frei, um sein umfangreiches Know-How beizusteuern und tatkräftig zuzulangen. Er fand Lösungen für oft unlösbar scheinende Kompatibilitätsprobleme von Teilen der beiden Hersteller, TOURATECH und OFF-THE-ROAD. Er musste fast gezwungen werden, eine kleine Aufwandsentschädigung entgegenzunehmen. Eine Freundschaft entstand und es folgte eine Woche später eine gediegene Testausfahrt von 600 km Länge durchs Alpenvorland. (Hier geht’s zum Videoclip –>)

Ein paar Kleinigkeiten wurden danach noch verbessert und geändert, z.B. die Nebelscheinwerferabdeckungen und Halterungen wurden schwarz lackiert, der Auspuff besser justiert, alle Schrauben nachgezogen, ansonst lief die Gute bis jetzt wie geschmiert. Es gab ein Fotoshooting in der Schottergrube und Cordula machte ihre erste Erfahrung offroad mit dem neuen Gefährt.

Morgen, 16. Juli ist grosser Packtag angesagt. Wir werden mal das ganze Equipment, immerhin abgewogene 127,5 kg brutto, von der Wohnung vors Haus schleppen. Nochmals alles fein säuberlich auflegen und die Filmkamera positionieren. Dann geht’s ans Verzurren, Verschrauben und Verstauen.

Wir werden sehen, was alles gleich wieder daheim bleiben wird, weil unnötig. Aus Erfahrung haben wir ohnehin immer zuviel dabei. Wie zwei Packeseln werden unsere Enduros daneben stehen und sich geduldig beladen lassen. Dann werden wir den Hausbesorger holen, der uns hilft, die beladenen Böcke vom Hauptständer zu hieven… ;-)

Stand: Juli 2010