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5.9.2009

Heute morgen drehen wir uns noch einige Male um, bevor wir aus dem Bett kriechen. Die Hausbesitzerin lockt uns dann doch mit gut duftenden Kaffee aus unserem Zimmer. Das üppige Frühstück steht schon auf dem Tisch und wir müssen nur mehr zugreifen. Der Blick aus dem Fenster verrät uns: Badewetter! ENDLICH!!! Haben wir uns verdient! Badesachen werden rasch eingepackt und in 10 min. sind wir am Meer bei Skala.

Um diese Zeit (Nachsaison) sind nur mehr wenige Schirme besetzt, so wählen wir einen aus der am weitesten von der Bumm-Bumm-Bar weg ist. Danach beginnt ohnehin nurmehr menschenleerer Sandünenstrand. So spürt es sich also an, der weisse, weiche Sand zwischen den Zehen, die mediterrane Sonne auf der weissen Haut, das rhythmische Plätschern der Minibrandung des ägäischen Meeres. Der Blick auf die Insel Thassos ist milchig trüb, nur die Umrisse lassen sich schemenhaft erkennen. Das bedeutet nichts Gutes, verkünden uns die Einheimischen. Doch vom bevorstehenden Wetterwechsel wollen wir jetzt nichts wissen. Wir lassen uns beidseitig durchgrillen, und gönnen uns zwischendurch ein “Mythos” oder einen Nescafé Frappé. Wir beobachten eine muslimische Grossfamilie, beim Baden: für uns Westler sehr skurril. Zwei vollverschleierte Frauen laufen bei 35 Grad mit Sack und Pack beladen  im Schlepptau der Männer, die bloß ihre Badeschlapfen in der Hand halten und nurmehr mit Badehosen bekleidet sind. Vor ihnen tollen die Kinder umher. Die Family findet dann einen Platz weit abseits der anderen Badenden und lässt sich nieder. Die beiden Frauen, offensichtlich Mutter und Tochter sitzen am Rand und beginnen eine Umkleidezeremonie, bei der ihr Haupt nie entblösst wird. Vom bodenlangen Alltagskleid in das fast bodenlange Schwimmdress. Das gemeinsame Schwimmengehen sieht so aus, dass die beiden Männer, Vater und Grossvater, mit dem Kleinen Jungen planschen, und sich ihnen die Frauen nicht weniger als geschätzte 20 Meter nähern dürfen. Ständig möchte der Bub zu seiner Mutter schwimmen, dies wird ihm jedoch deutlich untersagt. Derweil liegt die Mutter in voller Montur samt Schleier im seichten Wasser und blickt einsam gegen den Horizont. Dann, nach 20 Minuten zirka darf der Junge schliesslich die 20 Meter zu seiner Mutter schwimmen und sie herzlich umarmen. Während die Beiden lustig im Meer herumplätschern, halten die Patriarchen weiter ihren Sicherheitsabstand. Für uns ein sehr ungewohntes Bild. Vor Sonnenuntergang unternehmen wir noch einen ausgedehnten Strandspaziergang und beobachten einige Fischer beim abendlichen Nahrungsfang.

Hunderte tote Riesenquallen werden ans Ufer geschwappt, und liegen da wie prallgefüllte Nylonsäcke, von hellblau bis blassrosa. Diese Dinger hatten uns heute das Schwimmen ganz schön vermiest. Lebend bereiten sie einem nämlich höllisch brennenden Juckschmerz. Und in dieser Gegend ist das Meer im Moment durch eine spezielle Strömung ziemlich quallenverseucht. Der Mond geht auf, und wir machen uns auf die Heimfahrt. Im Dorfrestaurant gibt’s die obligatorische Cevapcici-Souvlaki Variation und im Hintergrund läuft das WM-Quali Match Schweiz gegen Griechenland. Die Griechen schauen ein bissl alt aus und dementsprechend getrübt ist die Stimmung hier im Restaurant und in der Nachbar-Taverne. Da es nix zum Feiern gibt, gehen alle nach Haus und wir auch. Aus Maus, gute Nacht!

6.9.2009

Wir kriechen um 8.00 aus unseren Betten, der Himmel ist leicht verschleiert, trotzdem ist es sehr warm und badefreundlich. Das Frühstückszeremoniell ist bald erledigt und der weil überlegen wir uns ein Ziel für den heutigen letzten Badetag. Die Wahl fällt auf die Ostseite der Vistonia Bay, die ein wenig touristischer sein soll. Am Strandabschnitt zwischen Fanari und Paralia Arogis lassen wir, in der Nähe einer Strandbar, unsere Handtücher fallen. Leise angenehme Musik dringt herüber und es lässt sich angenehm weiterdösen. Doch mag es heute nicht so recht sonnig werden.  Nur kurze blaue Flecken am Himmel, nach Mittag ziehen überhaupt dunkle Wolken von Westen her auf. Wir gönnen uns ein kleines Bier an der Bar, schlucken mal kräftig beim Bezahlen, (€ 4,30 !!! pro 0,3 l Fläschchen!!!) und benetzen unsere Kehlen. Die Stimmung kippt leicht, in Anbetracht des Wetters, zumal es auch gleich etwas abkühlt. Irgendwie soll uns das ungetrübte Badevergnügen nicht ganz vergönnt sein. Erst das Kackwetter am Schwarzen Meer bei unseren ersten geplanten Badetagen, jetzt das hier… Um halb vier packen wir zusammen und düsen ins Quartier, direkt dem Regen entgegen. Pitschnass erreichen wir Avdira. Wir sitzen im Wohnzimmer, planen unsere weitere Route, während draussen im Hof der Regen auf den Beton klatscht und unsere Motorräder vom Reisestaub befreit. Abends laufen wir ein letztes Mal in die Dorfkneipe und können schon fast akzentfrei die spärliche Speisekarte rezitieren. :-( gute Nacht

7.9.2009

Der Blick aus dem Fenster um 8 Uhr morgens lässt unsere bereits angeschlagene Stimmung nicht verbessern. Leichter Regen und grau in grau… Wir machen alles wasserdicht auf unseren Bikes und verabschieden uns aus dieser nordostgriechischen Idylle. Bei Toxotes, nahe Xanthi erklimmen wir über feine Serpentinen auf vorerst asphaltierter Strasse einen nicht näher bezeichneten Berg mit 1170 Metern über dem Meer. Oben erfreuen wir uns trotz des trüben und grauen Wetters der grandiosen Aussicht auf die Tiefebene und die Insel Thassos. Links von uns gibt eine canyonartige Schlucht den Blick auf den mäandernden Nestos frei. Diesem Fluss folgen wir noch einige Kilometer bis Paranesti. Doch bis dahin macht Cordula noch die fahrerische Hölle durch. Die Abfahrt von diesem namenlosen Berg nach Komnina lässt sie Blut und Tränen schwitzen. Hier bekommt “offroad” eine neue Bedeutung. Die ohnehin nicht leicht zu fahrende 650er wird Cordula zum Prüfstein. Träge und kräfteraubend eiert das Moped mit ihr die steinig-felsige Piste bergab. Rechts die Felswand, links der fast senkrechte Abgrund. Das Adrenalin und die schiere Angst vorm Abstürzen weichen ihren Körper auf, die Spannung lässt nach, die Knochen werden zu Gummi, das Gehirn schaltet auf Notprogramm und wird fehleranfällig. Was schliesslich in der Hälfte der 12 Kilometerpassage zum Kurzschluss führt, Cordula wieder ihre bewährte Gas-Brems-Methode einsetzt und zum Glück schnurstracks nach rechts in den kleinen Graben vor der Felswand rattert und die Fuhre hinlegt. Nicht auszudenken, wenn sie nach links gelenkt hätte…. 500 HM gähnender Abgrund mit Felsbremse. Nach kurzer Verschnaufpause und Bergung des Motorrades vollendet sie mit Bravour den wohl schlimmsten Abschnitt dieser Reise. Dann muss eine Zigarette her und den Tränen der Erleichterung darf freien Lauf gelassen werden.

Auf lieblich gewundener einspuriger Asphaltstrasse werden die letzten Kilometer bis nach Komnina abgerollt. Entspannt gleiten wir über Paranesti, das seltsame, mürrische Bergmenschen beherbergt, und Drama wieder hoch, der bulgarischen Grenze entgegen. Ständig das Regenwetter im Nacken überqueren wir nahe Exochi die Grenze. Links und rechts von uns gehen Regenschauer nieder, wir kurven derweilen noch im Trockenen durch die Gegend. Nachdem unser morgiges Ziel das Rilakloster ist, schauen wir, daß wir heute noch in die Nähe kommen und wenn geht, ohne nass zu werden. Über Smoljan und Goce Delcev bewegen wir uns Bansko entgegen, vorbei am beeindruckenden Piringebirge, mit seinen fast 3.000 Meter hohen Gipfeln. Leider bekommen wir diese nicht zu Gesicht. Es wird nun wirklich kalt, schätzungsweise 10 Grad, wir sehen inzwischen unseren Atem, ein paar Schichten mehr unter der Motorradkluft tun gut. Hier hat definitiv der Herbst Einzug gehalten. In Simitli suchen wir dann das erste Mal eine Unterkunft, mit Zelten ist heut nichts, der Regen klopft an und wir sind ein wenig ausgefroren. In Blagoevgrad werden wir dann nahe dem Zentrum fündig, ein netter Autofahrer geleitete uns bis vors Hotel. Vorerst mal ist eine heisse Dusche angesagt und dann gehts zu  Fuss in die “City” zum Abendessen. Üblicher Kommunistenstyle in der Architektur, aufreizend und tussig gekleidete Girls stolzieren mit oder ohne Schleckeis durch die Fussgängerzone (wie eh überall am Balkan…), wenn man genau schaut, findet man sehr wohl auch noch Architektur aus dem 19. Jhdt., ansonsten kein besonderes Highlight.

8.9.2009

Weckerläuten um 7.20 Uhr. Frühstück um 8.00 Uhr. Das Rauchverbot wird hier in Bulgaristan offenbar nicht so genau genommen, und so werden wir schon am Frühstückstisch eingeräuchert, mmhhh! Raus aus der Metropole Blageovgrad Richtung Rilakloster. Temperaturtechnisch hat sich seit gestern nicht viel geändert, auch der Himmel sieht gleich verhangen aus, aber immerhin ist es vorerst trocken. Auf dem Weg Richtung Rilatal machen wir auf der Hauptstrasse einen Stopp in Kocherinovo.

Hier hat der Sammler Vladimir alte Autos und Motorräder sowie Fernseher und Radios in mehr oder weniger gutem Zustand zusammengetragen, was durchaus einen Filmstopp wert ist. Dann biegen wir bei Stob noch in die Pampa ab, hier soll es sehenswerte Felsformationen geben. Aus einiger Entfernung können wir auch schon Bryce Canyon-artige Felsformationen sehen. Jedoch stellt sich heraus, daß wir für eine genauere Erkundung erstmal eine ausgewaschene Lehmstrasse steil bergauf bewältigen müssten, um denn dann einen längeren Fußmarsch anzuschließen. Dazu fehlt uns jetzt die Zeit, außerdem ist lichttechnisch jetzt eine ungünstige Zeit. Also retour zur Hauptstrasse und weiter. In Rila hängen die zu trocknenden Paprika und Pfefferoni von den Häusern. Dann geht es rechts weg 23 km, einen Bach entlang, links und rechts von uns zunächst Felsen, dann bewaldete Berghänge, es ist malerisch schön. Zunächst fahren wir am Kloster vorbei bis zum Talschluss im Rila Naturpark. Von dort geht noch ein Schotterstrasserl weiter. Aber auch dieses lassen wir aus Zeitgründen aus. Wir machen auf 1.465 m einen kurzen Filmstopp bei gefühlten 8-10 Grad, die Berge (fast Dreitausender) sind leider wolkenverhangen. Das Wetter ist herbstlich. Dann gehts retour zum Kloster. Nette Polizisten weisen uns einen sicheren Parkplatz zu, und so begeben wir uns in das für Bulgaren wichtigste Kloster. Hier lebte und wirkte vor mehr als 1000 Jahren der Begründer des bulgarischen Christentums. Das Bauwerk ist in sehr gutem Zustand und wird offensichtlich immer wieder, da wo es notwendig ist, restauriert. Die Kirche ist vom künstlerischen Aspekt her sehr beeindruckend, überall Wandgemälde, und da ist auch noch Gold im Überfluss! Nach ausgiebiger Besichtigung fahren wir zurück Richtung Rila, und nehmen diesmal die Transitroute A1 Richtung Kulata. Schwerer Fehler: erstens ziemlich starker Verkehr, zweitens wird einmal mehr deutlich, dass man als Motorradfahrer bei Bulgaren nichts zählt, also kein Fahrvergnügen. Die Strecke selbst ist auch nur für einen kurzen Abschnitt wirklich beeindruckend, sonst gerade Piste.

Zu allem Überdruss beginnt es auch noch so stark zu regnen, daß wir uns zu dem Projekt Regenoverall entschliessen – ein mühsames Reinklettern. Langsam rollen wir im Regen mit dem Transitverkehr mit. Bald haben wir Bulgarien hinter uns, und der Boden ist auch langsam wieder trocken. Beim Kirkinisee beschliessen wir, die Regenschicht wieder abzulegen. Es ist tropisch schwül geworden. Wir versuchen noch, eine auf der Karte grün unterlegte, also sehenswerte Strasse zu nehmen, doch einmal mehr Schotter, das lassen wir für heute lieber, lehmiger Boden, vom Regen aufgeweicht, muss heute nicht mehr sein, zumal uns die schweren Wolken stets im Nacken sitzen. Also relativ direkt nach Thessaloniki. Dort geraten wir voll in den Abendstau, ausserdem gibt diese Stadt zumindest in der Peripherie nichts her. Abgefuckte, dreckige Vorstadt, ungepflegte Häuser neben Müllbergen und öligen Werkstätten. Nach einer Preisanfrage (€ 60,00) in einem kleinen Hotel, das eher nach einem Stundenetablissement aussieht, beschliessen wir, weiter zu fahren, und diese auf den ersten Eindruck unappetitliche Stadt auf schnellstem Weg hinter uns zu lassen. Wir fahren bis nach Katerini. Rudi scheut das Zeltln, da es nach wie vor dicht wolkenverhangen, und eher kühl ist, und wir nicht einschätzen können, ob es uns möglicherweise doch noch einregnet. Der Gipfel des Olymp ist in eine dicke Wolkendecke eingehüllt. Schließlich werden wir fündig: 50 € ohne Frühstück, für ein Mickey-Maus Zimmer; billiger werden wir es heute nicht mehr bekommen. Naja egal, Hauptsach, Hauptsach. Wir laden alles ab, dann auf in die putzige Stadt zum Essen. Es herrscht hier reges Treiben, ich glaube hier gibt es jeden Tag Rambazamba. Heim und Gute Nacht!