29. Juli 2010, Wien – Pecs (396 km)

Die letzten 10 Tage des Wartens und Hoffens wurden langsam zur Qual. Tägliches Telefonieren mit der Werkstatt und ständig die Antwort: Wir haben leider den Fehler noch nicht gefunden….

Frust und Depression machte sich langsam bei uns breit, verbunden mit Zweifeln, ob sich die Reise überhaupt noch ausgeht und in der Form noch Sinn macht. Ersatzrouten und diverse Alternativen wurden durchgedacht.

Schlussendlich erreichte uns die Nachricht, der Fehler sei gefunden und repariert und wir könnten endlich starten.

Heute ist es also soweit, wir packen die BMW aufs Neue. Die Nacht war sehr kurz. Wir feierten gestern noch bei ein paar Bieren den Abschied mit Freunden. Als wir dann gegen 01.30 Uhr heimkehrten ließ sich die Haustüre partout nicht aufsperren. Keiner unserer beider Schlüssel sperrte das Schloss. So standen wir völlig verdutzt und vorerst ratlos vorm Haus und die Müdigkeit übermannte uns allmählich. Der Aufsperrdienst wollte 180,- Euro bar sofort auf die Hand, was wir natürlich nicht einsahen, und diese Option sofort wieder verwarfen. Blieb nurmehr der Versuch, die Hausbesorgerin zu wecken und um Hilfe zu bitten. Wir hatten Glück: Mit dem Postschlüssel konnte Frau Böhm die Türe schliesslich öffnen. Somit Nachtruhe um 02.30, Tagwache um 06.30 Uhr – sehr zäh…

Mit geschwollenen Augen sitzen wir stumm am Frühstückstisch. Wir besteigen etwas ferngesteuert unsere Bikes und besorgen im Vorbeifahren noch schnell eine Speicherkarte. Jetzt werden einfach mal Kilometer gefressen. Auf der Autobahn gehts stupid von Wien raus Richtung Eisenstadt und weiter nach Sopron. Recht starker Reiseverkehr begleitet uns bis zum Balaton und erschwert uns ein wenig das Vorankommen. Ohne nennenswerte Ereignisse gestaltet sich die schier endlose Etappe auf kerzengerader Strasse durch die Puszta. Kaum Erhebungen oder Kurven, der schnelle Tod jeden Reifens. Drum drosseln wir den Speed auf 90 – 100 km/h. Um den Plattensee nimmt das Urlaubergewurl wieder unerträgliche Ausmasse an. Kostet richtig viel Zeit, aber als wir das Gewässer hinter uns gelassen haben, wird es endlich einsamer. Doch mental anstrengend, weil flach, flach, flach. Der Balkan lässt sich schon erahnen: Die Strassen werden schlechter, die Dörfer ungepflegter, Fuhrwerke auf den Strassen und etwas abseits immer wieder einsame Roma-Siedlungen.

Kaposvar taucht auf und mit dieser Kleinstadt auch welliges, ja fast hügeliges Land und lässt uns nach stundenlanger Einöde auf kurviges Geläuf hoffen. Dem ist auch so, wir erklimmen sogar unseren ersten Pass und das in Ungarn!! Über eine gut ausgebaute Asphaltpiste rollen wir nach 7 Stunden in Pecs ein. Eigentlich wollten wir ja heute noch in den Balkan eindringen, sprich die serbische Grenze überschreiten, jedoch packten wir die Gelegenheit beim Schopf, eine der Kulturhauptstädte 2010 näher zu inspizieren. Im Zentrum finden wir ein Hostel, sind dort fast alleine und beziehen ein Vierbettzimmer.

Beim Flanieren durch die Altstadt finden wir zwar kaum Anzeichen oder Hinweise auf den Status, erfreuen uns aber trotzdem an schöner kaiserlicher Architektur und gepflegtem Ambiente. Eine Kleinstadt im Ausmass von St. Pölten gibt sich Mühe, nicht zu provinziell zu wirken, jedoch gelingt dies nur am Rande. Kunst und Kultur im öffentlichen Raum finden wir nicht vor, ebensowenig wie Info Points, die den kulturinteressierten Touristen das Programm für dieses einmalige Ereignis näherbringen könnte. Vielleicht sind wir auch nur zu kurz hier, und zu faul um uns im Internet zu erkundigen. So bleibt vorerst nur ein ähnlicher Eindruck, den auch Linz 2009 hinterlassen hat. Oder wann ist Linz eigentlich Kulturhauptstadt??