30. Juli 2010, Pecs – Bijeljina (351 km)
Heute verheißt der Himmel nichts gutes, bei unserer Abfahrt tröpfelt es bereits, in den Bergen hinter Pecs hängt das schlechte Wetter. Wir düsen jedoch gegen Südosten dem blauen Himmel entgegen, was uns natürlich sehr erfreut. Jetzt haben wir die Ebene wieder, ziemlich flach und öd geht’s Richtung Donau und serbische Grenze. Selbst nach dem Grenzübertritt, der übrigens problemlos verläuft, ändert sich die Landschaft kaum, es bleibt flach. Wir biegen bei Batina auf den Damm ab, der die Donau begleitet und geniessen hier absolute Einsamkeit, und erfreuen uns an tollen Offroadpassagen. Eine kurze Stipvisite nach Vukovar, Kroatien, bleibt uns verwehrt, die kleine Fähre, die die Donau übersetzt, bleibt nur lokalen Pendlern vorbehalten, es ist kein internationaler Grenzübergang.

So bleiben wir auf serbischer Seite, und halten uns Richtung Backa Palanka. Auf einer recht selektiven, sehr holprigen Offroadpassage, die zeitweise nur im Schritttempo befahrbar ist, klagt Cordula über einen beissenden Geruch und Rauch, vom Motor aus aufsteigend. Wir denken an eine Überhitzung des Motors, und halten an, um der Sache auf den Grund zu gehen. Es stellt sich heraus, daß beim Durchfahren eines großen Schlaglochs, durch das starke Einfedern, die Schwinge das heiße Auspuffrohr gegen den Kunststoffluftfilterkasten hochgedrückt hat. Dieser schmilzt jetzt vor sich hin und verursacht den Gestank und den Rauch. Das eigentliche Problem aber stellt die kunststoffummantelte Leitung für die Federbeinverstellung dar, die jetzt auch am Auspuff anliegt. Rudi spannt sie mit ein paar Kabelbindern weg, Problem vorerst gelöst. Doch das Unwetter verfolgt uns unerbittlich, im Rückspiegel ist es kohlrabenschwarz. Plötzlich kommt Sturm auf, der Himmel wird bleiern, Sand wird uns ins Gesicht gewirbelt, wir treten die Flucht nach vorne an. Bei Backa Palanka geht’s für 7 km über kroatisches Gebiet, danach gleich wieder nach Serbien nach Sid.

Die Karte zeigt uns einen öffentlichen Grenzübergang bei Jamena, im Dreiländereck Kroatien, Republic Srbska und Serbien. Diesen steuern wir an, in der Hoffnung, daß dieser auch existiert. Von Morovic aus geht’s 25 km durch völlig unbewohntes, wildes, waldiges Gebiet, Füchse und Schweine überqueren vor uns die Strasse. Doch an der Ortsausfahrt von Jamena schöpfen wir schon Verdacht, daß das mit dem Grenzübertritt hier wohl nichts werden wird. Eine kleine Schotterstrasse endet schliesslich an einem Kontainer mit serbischer Flagge. Ein verschlafener Zöllner kommt aus dem Häuschen, richtet sich seine Dienstkappe, und erklärt uns, daß hier nur einheimische Pendler passieren können. Enttäuscht kehren wir um, rattern die 25 km zurück, und nehmen den benachbarten, größeren Grenzübergang bei Srem. Raca. Inzwischen ist es empfindlich kühl, Gewitterwolken von allen Seiten, mit dem Zelteln wird es heute wohl wieder nichts werden. Während wir eine Schicht mehr anziehen, donnert von hinten eine Gruppe Biker heran, und begrüßt uns. Die Kroaten erzählen uns, es gäbe heute und morgen ein Bikertreffen in Bijeljina, wir mögen uns doch ein Zimer nehmen im Hotel Drina, das sie uns empfehlen, und ihnen dort Gesellschaft leisten. Das kommt uns etwas entgegen, wir haben keine Lust zum Campen, der Magen ruft nach fester Nahrung. Mal sehen, was uns auf einem bosnischen Bikertreffen erwartet. Kaum an einer Kreuzung nahe dem Zentrum angehalten, werden wir von Einheimischen umringt, die uns alle irgendwie helfen wollen! Sehen wir so hilfsbedürftig aus? Nein, doch Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft ist hier offensichtlich eine Selbstverständlichkeit. Wir sind überwältigt, die Laune hebt sich wieder, wir bekommen sogar eine Motorradpatroullie direkt bis vor’s Hotel. Eigentlich wäre hier Fahrverbot für Motorräder, doch Verbotsschilder werden hier relativ interpretiert. Nach dem Check in und einer erfrischenden Dusche versuchen wir, das Festivalgelände zu finden. Wir tuckern durch die Stadt, folgen einer auf die Strasse aufgemalten Schrift, “Moto”, und finden uns am Rande einer Wohnsiedlung. Von weitem hören wir schon Heavy Metall Klänge. Der Eintritt kostet 5 Sekunden lang 10 Euro, um kurz danach auf den Konsum eines Schnapses reduziert zu werden. Wir nehmen “widerwillig” an, und werden durchgewunken. That’s Balkan, oder “iss so”… (copyright bei Reinhard Metz). Kaum die Helme abgelegt, öffnen sich die Schleusen des Himmels und es schüttet aus Kübeln. Egal, wir stehen im Zelt, gönnen uns ein Bier und die ersten Cevapcici um heiße 2 Euro, und genießen den Moment bei viel zu lauter Rockmusik. Kurz vor Mitternacht haben wir genug, und kehren zum Hotel zurück.
