31. Juli 2010, Bijeljina – Valjevo (206 km)
Das Bier verhalf uns zu einem Schlaf der Gerechten. Wir verlassen Bijeljina Richtung dem Fluss Drina, an dem wir uns entlang hanteln. Der dichte Verkehr erfordert viel Geduld unsererseits. Die Kolonnen bewegen sich mit maximal 60 km/h. Das Überholen ist kaum möglich. Die Landschaft bietet nichts nennenswertes. Die Dörfer sind elendslang und gehen fliessend ineinander über. Nervig!!!! 80 km Transitstrecke sind die Hölle! Bei Drinjaca reichts uns. Wir biegen auf ein kleines Strasserl entlang der Drin ab. Diese Stille und Einsamkeit ist göttlich! In den Bergen hängen die Nebelschwaden, die Luft ist extrem feucht. Es ist grau in grau und es scheint, als würde es jeden Moment zu regnen beginnen.

So kommen wir nach Bratunac und wollen die Gedenkstätte für die Opfer des Genozids rund um Srebrenica 1995 in Potocari besuchen. Das Wetter könnte nicht passender für diesen Anlass sein. Traurigkeit überkommt uns, beim Anblick der über 8.000 Gräber mit ihren weissen Grabsteinen. Jeder einzelne trägt einen Namen. Hinter jedem Namen stand ein Schicksal und ein Leben, das hier auf grausame Weise sein Ende nahm.

Gegenüber der Gedenkstätte steht die ehemalige Akkumulatorenfabrik, in der unzählige Menschen von den Schergen der bosnisch-serbischen Streitkräfte unter Ratko Mladic gefoltert und hingerichtet wurden. Tief bewegt kehren wir zu den Motorrädern zurück und zu allem Überdruss beginnt es nach ein paar zaghaften Tropfen heftig zu regnen. Das verbessert unsere Stimmung nicht wirklich. Bis wir in den Regengewändern sind, sind wir schon pitschnass. Die Weiterfahrt wird zur Rutschpartie. Der Asphalt hier ist spiegelglatt und in Kombination mit dem TKC 80 fast unfahrbar. Schräglage ist nicht! Stärker beschleunigen ebenfalls. Und Bremsen sowieso nicht. So rudern wir über einen Pass und denken einfach nicht drüber nach. Wieder in Serbien, schlängeln wir uns bei strömenden Regen durch wunderschönes, bergiges Gebiet, der Steiermark sehr ähnlich, nach Valjevo.

An einer Kreuzung kurz vor dem Städtchen werden wir angehupt und aus dem Auto winken zwei Männer. Sie verfolgen uns bis zur nächsten Kreuzung, bleiben neben uns stehen, kurbeln das Fenster runter und schreien, begleitet mit einer eindeutigen Handbewegung: “Pivo?” Wir überlegen nicht und nicken zustimmend. Wir fogen den Beiden zur nächsten Bar. Triefend entern wir diese und bekommen abwaschbare Kunststoffsesseln angeboten. Ehe es wir uns versehen, haben wir das zweite Bier geleert und sind in ein “Gespräch” mit Händen und Füssen vertieft. Die Zwei, Vlado und Zlatko, ermuntern uns, doch hier zu bleiben. Nach Belgrad, unser erklärtes Tagesziel wären es noch hundert Kilometer. Sie mussten uns nicht lange überreden. Die letzten Kilometer forderten all unsere Kräfte und jegliche Konzentration. Und wieder werden wir mit ausserordentlicher Hilfsbereitschaft und Gastfreundlichkeit konfrontiert. Vlado übernimmt die Rechnung und geleitet uns direkt vor die nette, kleine Pension ums Eck.

Für den “Wucherpreis” von 25 Euro bekommen wir ein tolles, sauberes Zimmer, sogar mit Frühstück. Raus aus dem glitschnassen Zeug, runter unter die warme Dusche und ein Stündchen entspannen, denn wir werden mit dem Auto abgeholt. Vlado und Zlatko stehen um Acht Uhr vor der Tür und chauffieren uns durch die Stadt. Zunächst durch die Altstadt, dann auf einen nahegelegenen Hügel mit Partisanendenkmal und genialer Aussicht auf Valjevo. Da der Hunger schon ziemlich gross ist, steuern wir Vlados Restaurant an. Wir können es noch immer nicht glauben: Zwei wildfremde Menschen nehmen uns auf, als gehören wir zur Familie! Das Restaurant ist ausgebucht, doch alle rücken ein wenig zusammen und haben doch Platz. Wir werden der Familie und Freunden aus dem Motorradclub Lion`s vorgestellt. Ein lustiger, feuchter Abend ist vorprogrammiert. Im Hintergrund spielen zwei Musikanten serbische Volkslieder, eine Mama singt dazu, es ist herrlich gemütlich! Die Verständigung erfolgt wie gehabt mit Händen und Füssen, ein wenig deutsch, ein wenig englisch, mit einem Wort: alles easy-cheesy (Copyright: Thomas Degenfeld) Endlich wird nun auch das Essen serviert. Eine serbische Spezialität: Eintopf vom Rinderkopf. Ein Traum! Ein Wahnsinn! Unbeschreiblich lecker! Dazu frisches Fladenbrot und Salat. Welch ein Festmahl! Nicht zu vergessen: Pivo in rauen Mengen…. Um Elf übermannt uns die Bettschwere. Wir möchten bezahlen, doch Vlado winkt energisch ab! Wir sind beschämt. Auch das noch! Es ist nicht zu fassen, was uns hier gerade widerfährt. Daß wir auch noch von Vlado im BMW heimchauffiert werden, sei hier noch der Vollständigkeit halber erwähnt. Freunde, that`s Balkan!!!!! Tja, is so…. seid´s im Büld?
